Auf jedem Forschungsfeld gibt es Kräfte, die dessen Ausrichtung und Verlauf beeinflussen, die Forschung dadurch bewusst oder unbewusst in eine bestimmte Richtung treiben. Im Fall der Alzheimer-Krankheit scheinen einige Faktoren über viele Jahre hinweg einen besonders starken Einfluss gehabt zu haben, so etwa Top-Journale, Forschungsförderagenturen, Berufs-, Lobby-, und Interessensverbänden, sowie die pharmazeutische Industrie, und Meinungsführer (opinion leaders/stake holders/influencer). Veröffentlichungen in den am höchsten eingestuften Zeitschriften (sogenannte High Impact Journals) können ganze Karrieren bahnen und große Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Forschungsthema schaffen. Forschungsförderung bevorzugt oft die vielversprechendsten Richtungen, die pharmazeutische Industrie favorisiert diese häufig ebenso. Folglich könnte es für Neulinge in einem Forschungsbereich vielversprechender erscheinen, dem anerkannten und viel beschworenen Mainstream zu folgen, anstatt einen kontroversen und neuen Weg zu beschreiten. Dieser Trend lässt sich auch in der Alzheimer-Forschung der letzten mehr als drei Jahrzehnten erkennen, die eine anhaltende Dominanz der Amyloid-Kaskaden-Hypothese zur Folge hat. Und auch die Einführung spezifischer rein biologischer diagnostischer Schemata mit Fokus v. a. auf Amyloid und Tau haben die dominierende Position des Amyloids bis heute weiter zementiert. Die behördliche Zulassung eines neuen Alzheimer-Medikaments (z. B. Aducanumab), das primär auf das Surrogat ‚Amyloid‘ bzw. seine Entfernung abzielt, hat diese Forschungsrichtung in den letzten Jahren ebenfalls erheblich gestärkt. Die Macht und der Einfluss von Meinungsführern in einem Feld bestimmen ebenfalls die Forschungsagenda mit. Heute werden wissenschaftliche Aussagen nicht nur durch Originalpublikationen und wissenschaftliche Präsentationen vor einem ausgewählten Publikum auf Konferenzen oder in Fachzeitschriften kommuniziert, sondern können schnell und mit großer Reichweite über soziale Medien verbreitet werden. Alzheimer als immer noch unheilbare Erkrankung erfährt sehr große öffentliche Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt werden die Entwicklungen in der pharmazeutischen Industrie sehr genau von der Börse und dem Aktienmarkt verfolgt, was dann ebenfalls auf die entsprechende Forschungsausrichtung zurückwirkt.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Treibende Kräfte bei der Ausrichtung der Alzheimer-Forschung

  • Christian Behl

摘要

Auf jedem Forschungsfeld gibt es Kräfte, die dessen Ausrichtung und Verlauf beeinflussen, die Forschung dadurch bewusst oder unbewusst in eine bestimmte Richtung treiben. Im Fall der Alzheimer-Krankheit scheinen einige Faktoren über viele Jahre hinweg einen besonders starken Einfluss gehabt zu haben, so etwa Top-Journale, Forschungsförderagenturen, Berufs-, Lobby-, und Interessensverbänden, sowie die pharmazeutische Industrie, und Meinungsführer (opinion leaders/stake holders/influencer). Veröffentlichungen in den am höchsten eingestuften Zeitschriften (sogenannte High Impact Journals) können ganze Karrieren bahnen und große Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Forschungsthema schaffen. Forschungsförderung bevorzugt oft die vielversprechendsten Richtungen, die pharmazeutische Industrie favorisiert diese häufig ebenso. Folglich könnte es für Neulinge in einem Forschungsbereich vielversprechender erscheinen, dem anerkannten und viel beschworenen Mainstream zu folgen, anstatt einen kontroversen und neuen Weg zu beschreiten. Dieser Trend lässt sich auch in der Alzheimer-Forschung der letzten mehr als drei Jahrzehnten erkennen, die eine anhaltende Dominanz der Amyloid-Kaskaden-Hypothese zur Folge hat. Und auch die Einführung spezifischer rein biologischer diagnostischer Schemata mit Fokus v. a. auf Amyloid und Tau haben die dominierende Position des Amyloids bis heute weiter zementiert. Die behördliche Zulassung eines neuen Alzheimer-Medikaments (z. B. Aducanumab), das primär auf das Surrogat ‚Amyloid‘ bzw. seine Entfernung abzielt, hat diese Forschungsrichtung in den letzten Jahren ebenfalls erheblich gestärkt. Die Macht und der Einfluss von Meinungsführern in einem Feld bestimmen ebenfalls die Forschungsagenda mit. Heute werden wissenschaftliche Aussagen nicht nur durch Originalpublikationen und wissenschaftliche Präsentationen vor einem ausgewählten Publikum auf Konferenzen oder in Fachzeitschriften kommuniziert, sondern können schnell und mit großer Reichweite über soziale Medien verbreitet werden. Alzheimer als immer noch unheilbare Erkrankung erfährt sehr große öffentliche Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt werden die Entwicklungen in der pharmazeutischen Industrie sehr genau von der Börse und dem Aktienmarkt verfolgt, was dann ebenfalls auf die entsprechende Forschungsausrichtung zurückwirkt.