Das Alzheimer-Feld sucht schon sehr lange intensiv nach einer Therapie oder Heilung, mit besonderem Hochdruck insbesondere in den letzten 30–40 Jahren. Die Zahl der von Demenz betroffenen Personen nimmt weltweit zu, die Krankheit ist als riesiges Gesundheitsproblem erkannt. Hunderte klinische Studien wurden durchgeführt und bisher konnte keine Therapie mit einem wirklich überzeugenden klinischen Nutzen für Patienten gefunden werden. Während in den 1990er-Jahren Medikamente eingeführt wurden, die einige der begleitenden Symptome behandeln und auch heute noch immer in Gebrauch sind, ist die Suche nach effektiven kausalen Modifikatoren der Erkrankung (DTMs, disease modifying therapies) noch in vollem Gange. Die Amyloid-Kaskaden-Hypothese schlägt seit mittlerweile mehr als 30 Jahren vor, dass die Bildung und Ablagerung von Amyloid-Beta-Protein der kausale pathologische Prozess bei Alzheimer und das Amyloid-Beta-Protein (Aß) der initiale Krankheitsauslöser ist. Diese Hypothese ist seither die wohl bedeutendste Säule bei der Suche nach einer krankheitsmodifizierenden Therapie. Leider sind bis 2022 alle klinischen Studien, die darauf abzielten, die Bildung, Aggregation, Ablagerung von Aß zu verhindern oder dessen Entfernung aus dem Gehirn zu vermitteln, um damit den Kognitionsverlust zu stoppen, gescheitert. Und in 2025 hat sich diese Situation nur minimal (wenn überhaupt) geändert. Im letzten Jahrzehnt wurde eine ganze Reihe von Anti-Amyloid-Antikörpern klinisch getestet. Mit jedem klinischen Misserfolg wurden die Befürworter der Amyloid-Kaskaden-Hypothese herausgefordert, intensive Debatten folgten. Nach jedem Antikörper-Misserfolg wurde der nächste Antikörper-Kandidat in die Arena geworfen. Mit jeder Enttäuschung der letzten 20 Jahre, wurden die Rufe lauter, neben Amyloid-Beta endlich auch andere Ziele intensiver zu verfolgen und die Forschungsstrategien über Amyloid-Beta hinaus zu erweitern. Die Amyloid-Kaskaden-Hypothese hat jedoch bis heute die meisten Kritiken abgewehrt. Kürzlich wurden kleinere Erfolge in klinischen Studien mit den Antikörpern Aducanumab (FDA-Zulassung in 2021, aber nicht mehr in Gebrauch oder beworben) und Lecanemab (Nachfolger von Aducanumab, FDA-Zulassung von Lecanemab in 2023; EMA-Zulassung Ende 2024) berichtet. Der geringe klinische Erfolg dieser beiden Medikamente in sehr ausgewählten Patientengruppen und sehr früh in der Erkrankung wird von einem Teil des Feldes gefeiert und von dem anderen Teil abgelehnt, da die eigentliche klinische Bedeutung dieser Behandlung (clinical meaningfulness) noch unklar ist. Das Alzheimer-Forschungsfeld ist stark gespalten und scheint derzeit (in 2025) immer weiter auseinander zu driften.

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Die Amyloid-Kaskaden-Hypothese muss endlich liefern

  • Christian Behl

摘要

Das Alzheimer-Feld sucht schon sehr lange intensiv nach einer Therapie oder Heilung, mit besonderem Hochdruck insbesondere in den letzten 30–40 Jahren. Die Zahl der von Demenz betroffenen Personen nimmt weltweit zu, die Krankheit ist als riesiges Gesundheitsproblem erkannt. Hunderte klinische Studien wurden durchgeführt und bisher konnte keine Therapie mit einem wirklich überzeugenden klinischen Nutzen für Patienten gefunden werden. Während in den 1990er-Jahren Medikamente eingeführt wurden, die einige der begleitenden Symptome behandeln und auch heute noch immer in Gebrauch sind, ist die Suche nach effektiven kausalen Modifikatoren der Erkrankung (DTMs, disease modifying therapies) noch in vollem Gange. Die Amyloid-Kaskaden-Hypothese schlägt seit mittlerweile mehr als 30 Jahren vor, dass die Bildung und Ablagerung von Amyloid-Beta-Protein der kausale pathologische Prozess bei Alzheimer und das Amyloid-Beta-Protein (Aß) der initiale Krankheitsauslöser ist. Diese Hypothese ist seither die wohl bedeutendste Säule bei der Suche nach einer krankheitsmodifizierenden Therapie. Leider sind bis 2022 alle klinischen Studien, die darauf abzielten, die Bildung, Aggregation, Ablagerung von Aß zu verhindern oder dessen Entfernung aus dem Gehirn zu vermitteln, um damit den Kognitionsverlust zu stoppen, gescheitert. Und in 2025 hat sich diese Situation nur minimal (wenn überhaupt) geändert. Im letzten Jahrzehnt wurde eine ganze Reihe von Anti-Amyloid-Antikörpern klinisch getestet. Mit jedem klinischen Misserfolg wurden die Befürworter der Amyloid-Kaskaden-Hypothese herausgefordert, intensive Debatten folgten. Nach jedem Antikörper-Misserfolg wurde der nächste Antikörper-Kandidat in die Arena geworfen. Mit jeder Enttäuschung der letzten 20 Jahre, wurden die Rufe lauter, neben Amyloid-Beta endlich auch andere Ziele intensiver zu verfolgen und die Forschungsstrategien über Amyloid-Beta hinaus zu erweitern. Die Amyloid-Kaskaden-Hypothese hat jedoch bis heute die meisten Kritiken abgewehrt. Kürzlich wurden kleinere Erfolge in klinischen Studien mit den Antikörpern Aducanumab (FDA-Zulassung in 2021, aber nicht mehr in Gebrauch oder beworben) und Lecanemab (Nachfolger von Aducanumab, FDA-Zulassung von Lecanemab in 2023; EMA-Zulassung Ende 2024) berichtet. Der geringe klinische Erfolg dieser beiden Medikamente in sehr ausgewählten Patientengruppen und sehr früh in der Erkrankung wird von einem Teil des Feldes gefeiert und von dem anderen Teil abgelehnt, da die eigentliche klinische Bedeutung dieser Behandlung (clinical meaningfulness) noch unklar ist. Das Alzheimer-Forschungsfeld ist stark gespalten und scheint derzeit (in 2025) immer weiter auseinander zu driften.