Aus epistemologischer Sicht ist das anhaltende Beharren auf die Amyloid-Kaskaden-Hypothese ein hervorragendes Beispiel für die typische Entwicklung einer wissenschaftlichen Hypothese, wie vom Wissenschaftstheoretiker Dr. Thomas S. Kuhn vorgeschlagen. Daten, die eine bestimmte Hypothese in Frage stellen, werden als Anomalien betrachtet, die Hypothese wird durch neue Annahmen und Verfeinerungen leicht modifiziert, wobei die Kernaussage aber erhalten bleibt. Diese Anpassungen führen dann zu einer ad-hoc-Immunisierung der Hypothese gegen die angeführte Kritik. Laut Thomas Kuhn kann eine dominierende und unbestätigte Hypothese nur widerlegt und ersetzt werden, nachdem ein signifikanter Paradigmenwechsel eingeleitet wurde, und dies am besten von führenden Persönlichkeiten auf dem jeweiligen Forschungsgebiet. Trotz des vielstimmigen Chors der Kritiker, die den zu starken Amyloid-Fokus in der Alzheimer-Forschung mit Sorge sehen, machten große Teile des Feldes einfach weiter wie gehabt. Viele persönliche, selbst erlebte Vorfälle und unzählige Literaturstellen bestätigen, dass innovative Ideen, die nicht der dominierenden Sichtweise (dem Mainstream) folgten, stark vernachlässigt, ausgeblendet und auch nicht entsprechend finanziert wurden. All dies geschah öffentlich und wurde besonders pointiert durch Kommentare etwa in Nature, mit Schlagzeilen wie „Der Amyloid-Code“ oder „Der Plaque-Plan“ addressiert; einige Kommentatoren sprachen sogar von einem fast religiösen Festhalten an einer Mainstream-Hypothese, oder von gemachten Absprachen, einer Verschwörung und dem Mafia-ähnlichen Verhalten einer Clique. Sicher aber war es für viele, insbesondere für Neulinge im Feld, sehr viel einfacher, dem Mainstream zu folgen, statt zu versuchen, die offensichtliche Amyloid-Firewall zu überwinden. Viele der Amyloid-unabhängigen Ansätze für ein besseres Verständnis der Alzheimer-Krankheit sind über drei Jahrzehnte an dieser Hürde gescheitert.

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Ignoranz, Verschwörung oder eine Amyloid-Firewall zur Abwehr alternativer Ideen?

  • Christian Behl

摘要

Aus epistemologischer Sicht ist das anhaltende Beharren auf die Amyloid-Kaskaden-Hypothese ein hervorragendes Beispiel für die typische Entwicklung einer wissenschaftlichen Hypothese, wie vom Wissenschaftstheoretiker Dr. Thomas S. Kuhn vorgeschlagen. Daten, die eine bestimmte Hypothese in Frage stellen, werden als Anomalien betrachtet, die Hypothese wird durch neue Annahmen und Verfeinerungen leicht modifiziert, wobei die Kernaussage aber erhalten bleibt. Diese Anpassungen führen dann zu einer ad-hoc-Immunisierung der Hypothese gegen die angeführte Kritik. Laut Thomas Kuhn kann eine dominierende und unbestätigte Hypothese nur widerlegt und ersetzt werden, nachdem ein signifikanter Paradigmenwechsel eingeleitet wurde, und dies am besten von führenden Persönlichkeiten auf dem jeweiligen Forschungsgebiet. Trotz des vielstimmigen Chors der Kritiker, die den zu starken Amyloid-Fokus in der Alzheimer-Forschung mit Sorge sehen, machten große Teile des Feldes einfach weiter wie gehabt. Viele persönliche, selbst erlebte Vorfälle und unzählige Literaturstellen bestätigen, dass innovative Ideen, die nicht der dominierenden Sichtweise (dem Mainstream) folgten, stark vernachlässigt, ausgeblendet und auch nicht entsprechend finanziert wurden. All dies geschah öffentlich und wurde besonders pointiert durch Kommentare etwa in Nature, mit Schlagzeilen wie „Der Amyloid-Code“ oder „Der Plaque-Plan“ addressiert; einige Kommentatoren sprachen sogar von einem fast religiösen Festhalten an einer Mainstream-Hypothese, oder von gemachten Absprachen, einer Verschwörung und dem Mafia-ähnlichen Verhalten einer Clique. Sicher aber war es für viele, insbesondere für Neulinge im Feld, sehr viel einfacher, dem Mainstream zu folgen, statt zu versuchen, die offensichtliche Amyloid-Firewall zu überwinden. Viele der Amyloid-unabhängigen Ansätze für ein besseres Verständnis der Alzheimer-Krankheit sind über drei Jahrzehnte an dieser Hürde gescheitert.