Erzählexperiment Betrachtung. Zeitdarstellung, Pronomengebrauch und negative Narrativik in Kafkas Erstveröffentlichung
摘要
In dem Beitrag wird Franz Kafkas erster Prosaband Betrachtung (1913) als erzählerisches Experiment analysiert, das sich gängigen Kohärenzkonventionen fiktionaler Weltentwürfe sowie der Norm literarischer Außenweltdarstellung systematisch entzieht. Im Fokus stehen drei zentrale Verfahren: die Darstellung von Zeit, der Gebrauch personaler Pronomina und die negative Narrativik. Diese Strategien werden als Ausdruck einer anti-mimetischen Erzählweise verstanden, die eine literarische Inszenierung subjektiver Innenwelten erprobt. Betrachtung erscheint so als kompositorisch angelegte Einheit, deren wiederkehrende narrative Strukturmuster und zyklisch gestaltetes Themenfeld eine poetologische Reflexion über die Möglichkeiten der literarischen Darstellung subjektiver Wahrnehmungsprozesse eröffnen.