Über den Traum und seine Darstellungen in verschiedenen Kontexten
摘要
Der Beitrag versucht, die Frage zu beantworten, warum traumähnliche Darstellungen in der europäischen Belletristik erst um die Jahrhundertwende auftreten – in ihrer ausgeprägtesten Form in den Erzählwerken von Franz Kafka. Diese „Verspätung“ ist umso merkwürdiger, als der Traum bereits in der Bibel, in der antiken Literatur sowie in den Werken des Mittelalters und der Frühen Neuzeit eine bedeutende Rolle spielt. Voraussetzung für die traumähnliche Darstellung von Träumen waren die Bekenntnisse der Mystiker, die Erfindung der erlebten Rede und des Bewusstseinsstroms als Darstellungsmittel sowie die Ergebnisse der psychologischen Forschung um Sigmund Freud, die besagen, dass Träume eine eigene „Poetik“ haben und somit erklärbar sind. Ebenso sind, so meine These, auch die traumähnlichen Erzählwerke mithilfe der Annahmen der Poetik der möglichen Welten erklärbar.