In diesem Kapitel wird das Phänomen der Defiktionalisierung analysiert. Mit diesem Begriff wird die Praktix beschrieben, fiktionale Kommunikate für faktual auszuweisen, indem man deren Paratexte zu Trägern von falschen Klassifikationen umgestaltet. So betrachtet, ist die Defiktionalisierung eine nur von ihren Schöpfern behauptete bzw. von ihren Rezipienten geglaubte Qualität, sprich: eine Metafiktion, die ihren wahren Status allerdings zeitweise medienwirksam verschleiern kann, bis sie einer tatsächlichen Defiktionalisierung unterzogen (sprich: durschaut) wird. Die untersuchten Fälle werden anhand den Kriterien Paratextart und Statustransparenz systematisiert. Bei intrafiktionalen Paratexten handelt es sich um Teile fiktionaler Werke, die vorgeben, ihre Begleittexte zu sein, wie das bei statustransparenten Herausgeberfiktionen üblich ist. Dagegen sind extrafiktionale Paratexte Begleittexte echter Natur: sofern sie falsche Klassifizierungen enthalten, lassen sich diese auf ihre Wahrheit überprüfen und im Falle der Falsifizierung mit Sanktionen belegen. Freilich sind die hierzu gehörenden Defiktionalisierungen zum Teil statustransparent, wenn sie etwa etablierten auf Irreführung bedachten Genres wie Aprilscherz, Candid Camera oder Mockumentary angehören. Die intransparenten Defiktionalisierungen, in Klassen wie Provokation, Mystifikation und Desinformation gegliedert, verheimlichen dagegen ihren Status sorgfältig, was je nach Intention und Dauer unterschiedlich beurteilt werden kann. Das Kapitel berücksichtigt auch komplexe multimediale Defiktionalisierungen via entfernte Paratexte sowie rein metatextuelle Defiktionalisierungen, die auf der Anerkennung des Wahrheitsanspruchs von Kunstwerken beruhen.

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Warum will sich Fiktion mit fremden Federn schmücken?

  • Tomasz Waszak

摘要

In diesem Kapitel wird das Phänomen der Defiktionalisierung analysiert. Mit diesem Begriff wird die Praktix beschrieben, fiktionale Kommunikate für faktual auszuweisen, indem man deren Paratexte zu Trägern von falschen Klassifikationen umgestaltet. So betrachtet, ist die Defiktionalisierung eine nur von ihren Schöpfern behauptete bzw. von ihren Rezipienten geglaubte Qualität, sprich: eine Metafiktion, die ihren wahren Status allerdings zeitweise medienwirksam verschleiern kann, bis sie einer tatsächlichen Defiktionalisierung unterzogen (sprich: durschaut) wird. Die untersuchten Fälle werden anhand den Kriterien Paratextart und Statustransparenz systematisiert. Bei intrafiktionalen Paratexten handelt es sich um Teile fiktionaler Werke, die vorgeben, ihre Begleittexte zu sein, wie das bei statustransparenten Herausgeberfiktionen üblich ist. Dagegen sind extrafiktionale Paratexte Begleittexte echter Natur: sofern sie falsche Klassifizierungen enthalten, lassen sich diese auf ihre Wahrheit überprüfen und im Falle der Falsifizierung mit Sanktionen belegen. Freilich sind die hierzu gehörenden Defiktionalisierungen zum Teil statustransparent, wenn sie etwa etablierten auf Irreführung bedachten Genres wie Aprilscherz, Candid Camera oder Mockumentary angehören. Die intransparenten Defiktionalisierungen, in Klassen wie Provokation, Mystifikation und Desinformation gegliedert, verheimlichen dagegen ihren Status sorgfältig, was je nach Intention und Dauer unterschiedlich beurteilt werden kann. Das Kapitel berücksichtigt auch komplexe multimediale Defiktionalisierungen via entfernte Paratexte sowie rein metatextuelle Defiktionalisierungen, die auf der Anerkennung des Wahrheitsanspruchs von Kunstwerken beruhen.