Wird uns Traum oder Wirklichkeit vorgemacht?
摘要
In den fiktionalen Darstellungen, die in diesem Kapitel analysiert werden, besteht die Fiktionsstufennivellierung darin, dass der Einstieg in eine auf physiologischer Basis erzeugte illusorische ‚Realität‘ (Traum oder Halluzination) unkenntlich gemacht wird und die Traumwelt aufs Perfekteste das ‚wirkliche‘ Leben imitiert. Vom erzähltechnischen Standpunkt aus haben wir es hier zumeist mit der mimetischen (tatsachenbezogenen) Variante des unzuverlässigen Erzählens zu tun, die in diesem Kapitel nach thematischen (Anlässe der Fiktionsbildung), technischen (Statustransparenz der nivellierten Zustände, Signale der internen Grenzübergänge) und funktionalen Kriterien untersucht wird. Was letztere betrifft, reicht das Spektrum von modernen Fragen empiriokritisch-kontruktivistischer Natur bis hin zu postmodernen Konzepten des spielerischen Umgangs mit dem Fiktionsbegriff. Neben den genannten Anlässen der Fiktionsbildung wird auch das Motiv der willkürlichen Modifikation von Bewusstseinsinhalten berücksichtigt, das künstliche Eingriffe in die mentalen Prozesse voraussetzt (Drogen, Hypnose, Gedankenübertragung) und somit hybrider Natur ist. Eine weitere Kategorie der zu nivellierenden Stufen, die der Über- und Nebenwirklichkeiten (d. i. der jenseitigen bzw. parallelen Welten), umfasst wiederum Bereiche, die mit fiktionaler Illusion nichts mehr zu tun haben, deren künstlerische Bearbeitung freilich nach ähnlichen Prinzipien verläuft, wie die der übrigen Nivellierungen.