Mit der im November 1806 verhängten Kontinentalsperre verhielt es sich so, wie es normalerweise mit Sanktionen ist – die gegen England errichteten Beschränkungen machten sich auch in dem Land, das die Sanktionen verhängt hatte, bemerkbar, in Frankreich. Eine eigene Art der Gegenwirkung war in Russland, das sich der Kontinentalsperre angeschlossen hatte, spürbar. Weil keine Agrarprodukte mehr nach England verkauft werden konnten, bekamen die russischen Gutsbesitzer kein englisches Gold mehr. Nach dem Frieden von Tilsit sank der Wert eines Rubels auf 26 Kopeken. Für den Kauf von Pariser Juwelen und teuren Modeutensilien, von Möbeln und anderen Luxusgütern gab es in Russland nicht mehr die ausreichenden Geldmittel. Die nachlassende Nachfrage sorgte bei den französischen Händlern und Handwerksmeistern für einen ernsthaften Verdruss. Ab 1808 begann sich die französische Wirtschaftslage rapide zu verschlechtern, 1811 brach eine schwere Wirtschaftskrise aus und zwei aufeinanderfolgende Missernten führten sogar zu einer Hungersnot. In den französischen Vasallenstaaten Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Belgien war die Lage nicht besser. Napoleon erwog einen entscheidenden Schlag gegen England auszuführen, aber besonders erregte ihn, dass sein russischer Freund Alexander sich nicht an die Vorschriften der Kontinentalsperre hielt. Es kam der Gedanke auf, Gewalt anzuwenden, aber das hätte Krieg mit Russland bedeutet, das er bislang für seinen besten Verbündeten hielt. Auch in St. Petersburg verbreiteten sich Anfang 1811 Gerüchte über einen möglichen Krieg mit Frankreich, denn in Danzig und Ostpreußen standen französische Truppen und es war bekannt, dass der Kaiser trotz seiner wiederholten Friedensbekundungen versuchte, ganz Europa in den Kriegszug miteinzubeziehen. Er schloss Bündnisverträge mit Preußen und Österreich und verpflichtete auch die zum Rheinbund gehörenden deutschen Kleinstaaten, Kontingente für seine Grande Armee bereitzustellen. Mitte 1812 traten die militärischen Vorbereitungen in die Abschlussphase ein, aber es wurde immer noch gezögert. Die nächste Umgebung war gegen den Krieg, aber die in Gang gesetzte Kriegsmaschinerie war nicht mehr aufzuhalten. Um zwei Uhr in der Nacht zum 24. (12.) Juni überschritt Napoleons Vorhut die Memel und gelangte, ohne auf Widerstand zu stoßen, am Abend nach Vilnius und nahm auch Kaunas ein. Der zweite polnische Krieg, wie Napoleon ihn bezeichnete, hatte begonnen.

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Wieder in Bayreuth 1810–1812 und Neuanfang in Nürnberg

  • Enn Velmre,
  • Manfred Glesner,
  • Cornelius Hasselblatt,
  • Ulrike Müller-Harang

摘要

Mit der im November 1806 verhängten Kontinentalsperre verhielt es sich so, wie es normalerweise mit Sanktionen ist – die gegen England errichteten Beschränkungen machten sich auch in dem Land, das die Sanktionen verhängt hatte, bemerkbar, in Frankreich. Eine eigene Art der Gegenwirkung war in Russland, das sich der Kontinentalsperre angeschlossen hatte, spürbar. Weil keine Agrarprodukte mehr nach England verkauft werden konnten, bekamen die russischen Gutsbesitzer kein englisches Gold mehr. Nach dem Frieden von Tilsit sank der Wert eines Rubels auf 26 Kopeken. Für den Kauf von Pariser Juwelen und teuren Modeutensilien, von Möbeln und anderen Luxusgütern gab es in Russland nicht mehr die ausreichenden Geldmittel. Die nachlassende Nachfrage sorgte bei den französischen Händlern und Handwerksmeistern für einen ernsthaften Verdruss. Ab 1808 begann sich die französische Wirtschaftslage rapide zu verschlechtern, 1811 brach eine schwere Wirtschaftskrise aus und zwei aufeinanderfolgende Missernten führten sogar zu einer Hungersnot. In den französischen Vasallenstaaten Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Belgien war die Lage nicht besser. Napoleon erwog einen entscheidenden Schlag gegen England auszuführen, aber besonders erregte ihn, dass sein russischer Freund Alexander sich nicht an die Vorschriften der Kontinentalsperre hielt. Es kam der Gedanke auf, Gewalt anzuwenden, aber das hätte Krieg mit Russland bedeutet, das er bislang für seinen besten Verbündeten hielt. Auch in St. Petersburg verbreiteten sich Anfang 1811 Gerüchte über einen möglichen Krieg mit Frankreich, denn in Danzig und Ostpreußen standen französische Truppen und es war bekannt, dass der Kaiser trotz seiner wiederholten Friedensbekundungen versuchte, ganz Europa in den Kriegszug miteinzubeziehen. Er schloss Bündnisverträge mit Preußen und Österreich und verpflichtete auch die zum Rheinbund gehörenden deutschen Kleinstaaten, Kontingente für seine Grande Armee bereitzustellen. Mitte 1812 traten die militärischen Vorbereitungen in die Abschlussphase ein, aber es wurde immer noch gezögert. Die nächste Umgebung war gegen den Krieg, aber die in Gang gesetzte Kriegsmaschinerie war nicht mehr aufzuhalten. Um zwei Uhr in der Nacht zum 24. (12.) Juni überschritt Napoleons Vorhut die Memel und gelangte, ohne auf Widerstand zu stoßen, am Abend nach Vilnius und nahm auch Kaunas ein. Der zweite polnische Krieg, wie Napoleon ihn bezeichnete, hatte begonnen.