(In)stabile Sprachkonstellationen in Romanen über den deutschen Kolonialismus in Afrika
摘要
Der Aufsatz nimmt drei Romane in den Blick, die vor dem Hintergrund deutscher Kolonialherrschaft in Afrika die Frage nach dem Zusammenhang zwischen sprachlicher Verständlichkeit und Macht aufwerfen. Sowohl Abdulrazak Gurnahs Afterlives (2020), auf dem das Hauptaugenmerk der Analyse liegt, als auch die zum Vergleich herangezogenen Romane Un sorcier blanc à Zangali (1969) von René Philombe sowie Uwe Timms Morenga (1978) entwerfen Figuren, die im Kontext des Kolonialismus in Afrika eine Fremdsprache lernen: Vertreter der Kolonialmacht lernen lokale Sprachen, afrikanische Figuren wiederum lernen die Sprache der Kolonialmacht. Die Fremdsprachen werden überwiegend nur (glotta-diegetisch) erwähnt, besonders bei Gurnah aber auch (glotta-mimetisch) in die Textgestalt integriert. Mit dem letzteren Verfahren geht einher, dass Verständnisprobleme auf der Ebene des Dargestellten für den größeren Teil des Lesepublikums in die Ebene der Darstellung überführt werden. Während die Figuren selbst mit ihrer Mehrsprachigkeit als kommunikationsstabilisierende Instanzen fungieren, wird dies durch die sprachige Faktur der Romane zugleich auch gebrochen.