Übersetzen aus der Bodenlosigkeit. Das Übersetzungsdenken Vilém Flussers
摘要
Als deutschsprachiger jüdischer Intellektueller aus Prag und mehrfacher Exilant setzte sich Vilém Flusser zeitlebens intensiv mit der Frage der Übersetzung und Mehrsprachigkeit auseinander. Diesem Interesse lag die traumatische Erfahrung der Bodenlosigkeit zugrunde, die durch den Verlust von Heimat und Sprache hervorgerufen worden war. Anders als viele jüdische Exilanten aus dem damaligen von den Nazis geprägten Europa, versuchte Flusser jedoch, die Verbannung und das Exil selbst in eine Chance auf Befreiung aus der Muttersprache und Einsprachigkeit umzudenken. In diesem Beitrag soll untersucht werden, wie er aus dieser Bodenlosigkeit, die er zum einen als seine eigene Grundvoraussetzung, gleichzeitig aber auch als die menschliche schlechthin betrachtet, die Möglichkeit, Notwendigkeit und Bedeutung der Übersetzung ableitet und welche politischen Implikationen sich aus seinem Übersetzungsdenken heraus entfalten.