Hölderlins Gesänge – Poesie gegen die Verunsicherungstendenzen der Sattelzeit
摘要
Der vorliegende Beitrag widmet sich der Frage, inwiefern Friedrich Hölderlins Gesänge als literarische Reaktion auf die historische Phase des Umbruchs um 1800 und die damit einhergehenden gesellschaftlichen und kulturellen Verunsicherungstendenzen verstanden werden können. Er vertritt dabei die These, dass ‚Verunsicherung‘ als Konzept auf vielfältige Weise Hölderlins gesamtes poetisches Denken und Schreiben um 1800 bestimmt. In einem ersten Schritt wird hierfür das in Hölderlins Aufsatz „Das untergehende Vaterland“ (1799) entworfene Geschichts- und Dichtungsmodell diskutiert. Vor diesem Hintergrund untersucht ein zweiter Schritt das ästhetische und vor allem politische Potential, das Hölderlin in seinen eigenwilligen Pindar-Übersetzungen mit Blick auf Anschlussmöglichkeiten für sein eigenes Schreiben herausarbeitet. Von beiden Überlegungen ausgehend werden Hölderlins Gesänge in einem letzten Schritt exemplarisch an „Die Wanderung“ als Aushandlungsort kultureller Identitätsstiftung lesbar gemacht.