Im vorliegenden Beitrag soll das poetische Prinzip der Verunsicherung in Übersetzungen einmal aus umgekehrter Perspektive betrachtet werden. Denn im Werk des französischen Sprachtheoretikers Henri Meschonnic (1932–2009) ist die Verunsicherung bereits in den Ausgangstexten angelegt. Dort manifestiert sie sich, so unsere These, auf vier Ebenen: in Form von Provokation, Rhetorik, Intertextualität und Ambiguität. Ausgehend von der praktischen Übersetzungsarbeit an drei ausgewählten Texten Meschonnics wird anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, wie die Verunsicherung durch den Autor Lektüre, Rezeption und Übersetzung zunächst beeinflussen und das Wagnis einer selbst-bewussten Übersetzung im doppelten Wortsinn schließlich dennoch gelingen kann. Damit verkehren wir das poetische Prinzip der Verunsicherung in ein Prinzip der Sicherung – unsere Übersetzungen sind stabile Translationen instabiler Originale.

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Henri Meschonnic zu übersetzen heißt, die Verunsicherung im Ausgangstext auszuhalten

  • Katrin Zuschlag

摘要

Im vorliegenden Beitrag soll das poetische Prinzip der Verunsicherung in Übersetzungen einmal aus umgekehrter Perspektive betrachtet werden. Denn im Werk des französischen Sprachtheoretikers Henri Meschonnic (1932–2009) ist die Verunsicherung bereits in den Ausgangstexten angelegt. Dort manifestiert sie sich, so unsere These, auf vier Ebenen: in Form von Provokation, Rhetorik, Intertextualität und Ambiguität. Ausgehend von der praktischen Übersetzungsarbeit an drei ausgewählten Texten Meschonnics wird anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, wie die Verunsicherung durch den Autor Lektüre, Rezeption und Übersetzung zunächst beeinflussen und das Wagnis einer selbst-bewussten Übersetzung im doppelten Wortsinn schließlich dennoch gelingen kann. Damit verkehren wir das poetische Prinzip der Verunsicherung in ein Prinzip der Sicherung – unsere Übersetzungen sind stabile Translationen instabiler Originale.