Phantasmatische Verse – Ethnisierung der Poesie und Poetisierung der Prosa in James Macphersons ‚Ossian‘
摘要
Die Ossian-Mystifikationen James Macphersons wirkten sich vor 1800 sowohl auf das Verständnis von Versen als auch von Prosa aus. Dies geschieht in zwei scheinbar gegenläufigen Richtungen. Einerseits trägt das Ossian’sche Corpus maßgeblich zur das 19. Jahrhundert zentralen Vorstellung bei, Rhythmus und Metrik einer Sprache seien je sprach- und kulturspezifisch, also Träger von ethnischer Eigenheit. Andererseits kommt den Ossian-Texten eine wichtige Stellung in der Entwicklung des Prosagedichtes zu, also einer Gattungsformation, die im Laufe des 19. Jahrhunderts die Differenz zwischen Prosa und Vers provokativ unterlaufen wird und sich aufgrund ihres avantgardistischen Rufes eher gegen Ethnisierung sperrt. Der Beitrag analysiert Paratexte des Ossian sowie Dichtungen aus dem Corpus. Seine These ist, dass die Ossian-Texte in den beschriebenen Hinsichten besonders wirkungsmächtig sind, weil sie sich als Prosa-Übersetzungen angeblicher gälischer Dichtungen ausgeben, die nie in Erscheinung treten: Ihr Vers bleibt ein Phantasma, aus dem aber eine bis dato unerhörte Prosa hervorgeht.