Der Beitrag untersucht den vieldiskutierten ‚Sebald-Sound‘ in dessen erster Buchpublikation Nach der Natur. Der durch Versifikation sowie durch prosaischen Erzählfluss geformte Text konturiert eine Erzählhaltung, die als meditative Wahrnehmungskonzentration exponiert wird. Dazu wird die Formgebung vor der Folie der rhetorischen Verfahren und dramatisch-szenischen Verlaufsformen gelesen, wie sie für mittelalterliche und frühneuzeitliche Meditationspraktiken maßgeblich sind. Die meditative Form generiert Pathoseffekte, die überdies in wiederkehrenden rhythmischen Verdichtungen erzielt werden, wie mit einem Fokus auf bukolische Diäresen bzw. den Adoneus aufgezeigt wird. In dieser Formdynamik werden Szenen intensiver menschlicher Leiderfahrungen bzw. eine katastrophische Welt entworfen, die bei Sebald im Horizont des Zivilisationsbruchs ersteht. Es wird argumentiert, dass der von angespanntem Pathos getragene Text immer wieder in eine pathologische Überspannung des Erzählens kippt. Der kombinatorische Einsatz von Vers und Prosa hat somit wesentlichen Anteil an der Formierung eines am Zivilisationsbruch krankenden Blicks.

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Meditation im Vers. Formen pathetisch-pathologischer Wahrnehmungsintensität in Sebalds Nach der Natur

  • Carolin Rocks

摘要

Der Beitrag untersucht den vieldiskutierten ‚Sebald-Sound‘ in dessen erster Buchpublikation Nach der Natur. Der durch Versifikation sowie durch prosaischen Erzählfluss geformte Text konturiert eine Erzählhaltung, die als meditative Wahrnehmungskonzentration exponiert wird. Dazu wird die Formgebung vor der Folie der rhetorischen Verfahren und dramatisch-szenischen Verlaufsformen gelesen, wie sie für mittelalterliche und frühneuzeitliche Meditationspraktiken maßgeblich sind. Die meditative Form generiert Pathoseffekte, die überdies in wiederkehrenden rhythmischen Verdichtungen erzielt werden, wie mit einem Fokus auf bukolische Diäresen bzw. den Adoneus aufgezeigt wird. In dieser Formdynamik werden Szenen intensiver menschlicher Leiderfahrungen bzw. eine katastrophische Welt entworfen, die bei Sebald im Horizont des Zivilisationsbruchs ersteht. Es wird argumentiert, dass der von angespanntem Pathos getragene Text immer wieder in eine pathologische Überspannung des Erzählens kippt. Der kombinatorische Einsatz von Vers und Prosa hat somit wesentlichen Anteil an der Formierung eines am Zivilisationsbruch krankenden Blicks.