Einführung
摘要
Die Frage nach dem Verhältnis von Vers und Prosa stellt sich sehr akut dort, wo Texte in andere Sprachen übertragen werden sollen. Hier müssen Versformen an unterschiedliche, bisweilen stark voneinander abweichende Sprachen und Sprachräume und an veränderte prosodische Bedingungen angepasst werden. Dies ist etwa der Fall bei der Adaption antiker Versmaße in den romanischen und germanischen Sprachen. Deren Dramatik lässt sich deutlich an den beiden ältesten europäischen Epen, Homers Ilias und Odyssee, ablesen, etwa im Vergleich der strikten Versübersetzung von Johann Heinrich Voß mit der Prosaübertragung Wolfgang Schadewaldts, zweier Klassiker mit weitreichender literarhistorischer und -kritischer Bedeutung. Die Suche nach den poetischen Spielräumen im engen Korsett prosodischer Gesetzmäßigkeiten bleibt unvermindert relevant bei Nachdichtungen oder Nacherzählungen in ein und derselben Sprache. Sie beginnt nicht selten bei der weichenstellenden Frage, ob an der Versform festgehalten oder in Prosa umgegossen werden soll (seltener umgekehrt). Diese formtheoretische Betrachtungsweise des Transfers zwischen Vers und Prosa lässt sich deshalb auch in anderen Kontexten erproben, so etwa mit Blick auf die historischen Übergänge vom Vers zum Prosadrama im 18. Jahrhundert (und zurück zum Versdrama im Klassizismus), auf Experimente mit dem Versepos von unterschiedlicher Durchschlagskraft, auf die Entwicklung der Menippeischen Satire oder der Versnovelle nach 1780.