Das Kapitel analysiert die Entwicklung vom traditionellen Reisetagebuch zum Reiseblog und setzt sich mit den literarischen, medientechnischen und gesellschaftlichen Veränderungen auseinander. Im Sinne der Remediation werden ausgehend von heutigen Reiseblogs drei hervorstechende Gattungsmerkmale klassifiziert und anhand unveröffentlichter Reisetagebücher aus einem Archiv historisch kontextualisiert. So dienen Reiseblog wie Tagebuch zum ersten der autobiografischen Dokumentation persönlicher Erfahrungen, wobei sich das Ich in einem für privat gehaltenen Text inszeniert und allzu intime Schilderungen zurückhält. Als zweites Merkmal werden Gender-Topoi in der Gattungsgeschichte wie die historische Feminisierung und teilweise auch Marginalisierung des Tagebuchs herausgearbeitet. Einerseits wird Reisen früher wie heute als weibliche Befreiung von Gendernormen empfunden, andererseits unterliegt das Schreiben einem vorherrschenden Repräsentationssystem, wie sich an den Exklusionsmechanismen der Institution Archiv und an den medienästhetischen Codes der Blogosphäre zeigt. Als drittes Gattungsmerkmal wird die Grenzverwischung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit als Kennzeichen von Reiseblogs wie Reisetagebüchern betrachtet und aufgezeigt, dass es eine stabile Trennung auch vormals nie gab. Schon historische Tagebücher richteten sich nicht zwangsläufig nur an das eigene Ich, sondern auch an eine Öffentlichkeit, was heute durch digitale Plattformen verstärkt wird. Das Kapitel stellt heraus, wie neues Medienhandeln einerseits weibliche Ermächtigung und Sichtbarkeit, andererseits aber auch kulturalisierende Repräsentationen, die Machtasymmetrien verstärken, hervorbringen kann.

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Gattungsgeschichte vom (Reise-)Tagebuch zum Reiseblog

  • Mirja Riggert

摘要

Das Kapitel analysiert die Entwicklung vom traditionellen Reisetagebuch zum Reiseblog und setzt sich mit den literarischen, medientechnischen und gesellschaftlichen Veränderungen auseinander. Im Sinne der Remediation werden ausgehend von heutigen Reiseblogs drei hervorstechende Gattungsmerkmale klassifiziert und anhand unveröffentlichter Reisetagebücher aus einem Archiv historisch kontextualisiert. So dienen Reiseblog wie Tagebuch zum ersten der autobiografischen Dokumentation persönlicher Erfahrungen, wobei sich das Ich in einem für privat gehaltenen Text inszeniert und allzu intime Schilderungen zurückhält. Als zweites Merkmal werden Gender-Topoi in der Gattungsgeschichte wie die historische Feminisierung und teilweise auch Marginalisierung des Tagebuchs herausgearbeitet. Einerseits wird Reisen früher wie heute als weibliche Befreiung von Gendernormen empfunden, andererseits unterliegt das Schreiben einem vorherrschenden Repräsentationssystem, wie sich an den Exklusionsmechanismen der Institution Archiv und an den medienästhetischen Codes der Blogosphäre zeigt. Als drittes Gattungsmerkmal wird die Grenzverwischung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit als Kennzeichen von Reiseblogs wie Reisetagebüchern betrachtet und aufgezeigt, dass es eine stabile Trennung auch vormals nie gab. Schon historische Tagebücher richteten sich nicht zwangsläufig nur an das eigene Ich, sondern auch an eine Öffentlichkeit, was heute durch digitale Plattformen verstärkt wird. Das Kapitel stellt heraus, wie neues Medienhandeln einerseits weibliche Ermächtigung und Sichtbarkeit, andererseits aber auch kulturalisierende Repräsentationen, die Machtasymmetrien verstärken, hervorbringen kann.