3. Performance und Vortragsrahmen
摘要
Aus Erving Goffmans mikrosoziologischen und soziolinguistischen Untersuchungen werden Grundbegriffe einer Performance-Analyse literarischer Vortragskunst abgeleitet. Diese erscheint als Interaktionsritual, bei dem der Vortragsrahmen, die Art der Einbettung von Texten in den Vortrag und die rituellen Aspekte der sozialen Begegnung zentrale Bestimmungsgründe bilden. Goffmans Essay ’The Lecture’ prägte eine Fülle von auch für die literarische Vortragskunst nützlichen analytischen Begriffen, wie Keying, Klammerbildung und parenthetische Kommentare, weiterhin Wechsel der Sprechhaltungen, Rollendistanz und Zuhörerrollen. Aus Goffmans Blickwinkel nehmen Autorenlesungen gegenüber den Vortragsaktivitäten anderer Akteure aufgrund der mit der Autorfunktion verbundenen intellektuellen Autorität eine Sonderstellung ein. Aus der US-amerikanischen Oral Poetry-Forschung und Ethnographie des Sprechens wird - über Goffman hinausgehend – der Begriff der Interperformativität gewonnen, der dazu dient, das Ensemble von dialogischen Beziehungen in den Blick zu bringen, die Vortragende zu Präsentationen anderer Akteure der Gegenwart und Vergangenheit unterhalten.