Zwölfte Lesewerkstatt – Wie interpunktiert Kleist?
摘要
Die zwölfte Lesewerkstatt untersucht Kleists Erzählung „Die Marquise von O….“ (1810) mithilfe quantitativer Methoden und Visualisierungen, um Interpunktion und Schriftbild als Gegenstand der Deutung sichtbar zu machen. Kleists unkonventionelle Zeichensetzung folgt nicht starr der Grammatik, sondern unter anderem dem Affekttransport, der narrativen Rhythmisierung und der Betonung von Konfliktsituationen. Besonders der berühmte Gedankenstrich fungiert als Leerstelle für ein unausgesprochenes Geschehen, verweigert aber die eindeutige Aufklärung. Durch Zählung und graphische Veranschaulichung wird die keineswegs regelmäßige Verteilung und Dichte der Interpunktion erfasst, die Emotionsausbrüche, Streitszenen und deskriptive Ruhephasen zum Ausdruck bringt. Am Beispiel der Online‐Applikationen auf voyant‐tools.org wird vorgeführt, wie digitale Analysen und Graphiken im Internet durchgeführt werden können. Die Verbindung quantitativer Analyse mit hermeneutischer Interpretation zeigt, wie digitale und statistische Methoden in der Literaturwissenschaft neue Fragestellungen und produktive Deutungsansätze eröffnen.