Zwölfter Theoriekurs – Quantitativ lesen
摘要
Zwei wissenschaftliche Revolutionen verändern unser Verständnis von Texten, vom Lesen, von Literatur: die digitale und die neurobiologische. Mit Hilfe von Computern und Computerprogrammen können wir Texte, die uns digital vorliegen, automatisiert auswerten. Mit Hilfe von Verfahren der Experimentalpsychologie und der Hirnforschung können wir die kognitiven, affektiven und ästhetischen Prozesse, die in unseren Gehirnen und Körpern ablaufen, wenn wir Texte lesen, immer genauer nachvollziehen. Wir unterscheiden qualitative (deutende) und quantitative (zählende) Ansätze. Vorläufer quantitativer Philologie finden wir in Rhetorik und Strukturalismus, Stilometrie, Korpuslinguistik und kommerziellen bzw. geheimdienstlichen Technologien automatischer Textanalyse. Anhand von Franco Morettis quantitativen Arbeiten werden verschiedene Ansätze und Anwendungsfelder sowie infographische Umsetzungen diskutiert: statistische Kurven, geographische Karten und Raumdiagramme, evolutionäre bzw. historische Stammbäume, Figuren‐Netzwerke, Romantitel als ‚Big Data‘ und messbare Merkmale des Stils. Darüber hinaus werden Studien zur digitalen Auswertung von Sprachbildern, zur Farbcodierung literarischer Werke und zur historischen Entwicklung der Paratexte eines Genres vorgestellt.