Die elfte Lesewerkstatt behandelt Lyrik als besonders dichte und einprägsame Textform in gebundener Sprache. Mit Versstruktur, Rhythmus und Reim können Gedichte uns stark affizieren, sie sind aber auch eine Herausforderung für die Interpretation. Ihre Bestandteile sind oft semantisch überbestimmt, also in unterschiedliche Bedeutungsstrukturen eingebunden. Um die Interpretation zu üben, bietet die Lesewerkstatt einen Lyrik‐Reader an: eine anonymisierte Sammlung von 15 Gedichten quer durch Epochen und Stile, die zur Übung von Datierung, Formanalyse und Deutung dient. Analysen von Gedichten wie Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“, Droste‐Hülshoffs „Im Moose“, Gryphius’ „Es ist alles eitel“, Bachmanns „Reklame“, Celans „Todesfuge“ und Goethes „Prometheus“ zeigen, wie sich Form und Inhalt verbinden. Gedichtinterpretation bedeutet, jede poetische Formentscheidung als bedeutungstragend zu lesen, mögliche Alternativen mitzudenken und die „Überdeterminiertheit“ von Lyrik als Einladung zu vielfältiger Deutung anzunehmen.

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Elfte Lesewerkstatt – Wie interpretieren wir Gedichte?

  • Oliver Lubrich,
  • Thomas Nehrlich

摘要

Die elfte Lesewerkstatt behandelt Lyrik als besonders dichte und einprägsame Textform in gebundener Sprache. Mit Versstruktur, Rhythmus und Reim können Gedichte uns stark affizieren, sie sind aber auch eine Herausforderung für die Interpretation. Ihre Bestandteile sind oft semantisch überbestimmt, also in unterschiedliche Bedeutungsstrukturen eingebunden. Um die Interpretation zu üben, bietet die Lesewerkstatt einen Lyrik‐Reader an: eine anonymisierte Sammlung von 15 Gedichten quer durch Epochen und Stile, die zur Übung von Datierung, Formanalyse und Deutung dient. Analysen von Gedichten wie Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“, Droste‐Hülshoffs „Im Moose“, Gryphius’ „Es ist alles eitel“, Bachmanns „Reklame“, Celans „Todesfuge“ und Goethes „Prometheus“ zeigen, wie sich Form und Inhalt verbinden. Gedichtinterpretation bedeutet, jede poetische Formentscheidung als bedeutungstragend zu lesen, mögliche Alternativen mitzudenken und die „Überdeterminiertheit“ von Lyrik als Einladung zu vielfältiger Deutung anzunehmen.