Intertextualität/Intermedialität
摘要
Julia Kristevas These, dass jeder literarische Text ein Mosaik von Zitaten bildet und aus der Absorption und Transformation anderer Texte hervorgeht, besitzt für das Werk Aichingers besondere Gültigkeit. Neben den Werken diverser Autor:innen – wie Heinrich von Kleist, Friedrich Hölderlin, Adalbert Stifter, Robert Musil, Joseph Conrad, Georg Trakl, Paul Celan, Günter Eich und Nelly Sachs – bilden Mythos, Bibel und Märchen wichtige Intertexte. Die Transformation, die das Zitierte erfährt, hängt wesentlich mit der Erfahrung der Shoah zusammen; dies gilt ebenso für die zahlreichen intermedialen Bezüge. Insbesondere Film und Fotografie spielen eine poetologisch bedeutsame Rolle. Was Intermedialität und Intertextualität bei Aichinger verbindet, ist ihre mnemonische Funktion: Wie die Literatur der Vergangenheit durch die aktualisierende Umschrift lebendig bleibt, so dienen auch die Bezugnahmen auf die Speichermedien Film und Fotografie einer Erinnerung an die Toten.