Obwohl Hannah Arendt einige Aufsätze Richard Wagners und auch Forschungsliteratur über ihn aus der Nachkriegszeit besaß, wird der Komponist in ihren Schriften nur an einer einzigen Stelle genannt. In The Origins of Totalitarism behandelt Arendt Wagners Rezeption Arthur de Gobineaus im Zusammenhang mit den rassistischen Tendenzen, die sich zwischen Frankreich und Deutschland im Zeitalter des Imperialismus herausbildeten. Im Beitrag wird ihre Einordnung anhand von Charles Baudelaires wagnérisme sowie den Wagner-bezogenen Entwürfen Theodor W. Adornos und Heinrich Blüchers weiter kontextualisiert. Über die zahlreichen begrifflichen Bezüge bei oft konträren Einordnungen kann gezeigt werden, dass Arendt der Musik Richard Wagners zu seinen Lebzeiten eine nur geringe politische Bedeutung zusprach, die auch von seinen Zeitgenossen getrennt von seiner Musik reflektiert wurde, um dann Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Dekadenz mit einer überzeitlichen Wirkung in Verbindung gebracht zu werden. Gleichzeitig lässt sich durch einen Abgleich mit Baudelaire herausarbeiten, dass Arendts Leistung darin besteht, Wagners Gewebe wieder in seiner historisch-politischen Situation zu verankern.

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Inkursion oder Gewebe. Hannah Arendts (Nicht-)Rezeption Richard Wagners

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Obwohl Hannah Arendt einige Aufsätze Richard Wagners und auch Forschungsliteratur über ihn aus der Nachkriegszeit besaß, wird der Komponist in ihren Schriften nur an einer einzigen Stelle genannt. In The Origins of Totalitarism behandelt Arendt Wagners Rezeption Arthur de Gobineaus im Zusammenhang mit den rassistischen Tendenzen, die sich zwischen Frankreich und Deutschland im Zeitalter des Imperialismus herausbildeten. Im Beitrag wird ihre Einordnung anhand von Charles Baudelaires wagnérisme sowie den Wagner-bezogenen Entwürfen Theodor W. Adornos und Heinrich Blüchers weiter kontextualisiert. Über die zahlreichen begrifflichen Bezüge bei oft konträren Einordnungen kann gezeigt werden, dass Arendt der Musik Richard Wagners zu seinen Lebzeiten eine nur geringe politische Bedeutung zusprach, die auch von seinen Zeitgenossen getrennt von seiner Musik reflektiert wurde, um dann Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Dekadenz mit einer überzeitlichen Wirkung in Verbindung gebracht zu werden. Gleichzeitig lässt sich durch einen Abgleich mit Baudelaire herausarbeiten, dass Arendts Leistung darin besteht, Wagners Gewebe wieder in seiner historisch-politischen Situation zu verankern.