Beim Vergleich der späten Dialogromane von Schmidt fällt auf, dass sich Abend mit Goldrand und Julia, oder die Gemälde bezüglich ihrer strukturellen Anlage wie Zitierkunst noch einmal deutlich von den vorherigen Texten abgrenzen. In der „MärchenPosse“ Abend mit Goldrand setzt eine den Text überflutende Zitierung überwiegend deutschsprachiger Trivialliteraturen ein, um sich in Julia, oder die Gemälde auf besondere Weise fortzusetzen. Dort hat sich der Anteil von bisher nicht im Werk in Erscheinung getretenen oder neu erworbenen Prosatexten des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wesentlich erhöht. Auf der autobiographischen Ebene weisen Julia, oder die Gemälde wie Abend mit Goldrand auf Schmidts Kindheit und Jugend zurück, in der „MärchenPosse“ offen, im Dialogfragment eher hintergründig, indem über Zitate frühe Lektüren in den Text eingespielt werden. Insofern kann Julia, oder die Gemälde zumindest partiell als Fortsetzung von Abend mit Goldrand und Verlagerung des Themas Jugendzeit von der äußeren auf die innere Erlebnisebene des Textes gelesen werden. Das Dialogfragment weist darüber hinaus eine strukturelle Ähnlichkeit zu E. T. A. Hoffmanns Der goldene Topf auf. Die ‚Himmelfahrt‘ zwischen den Polen Phantasie und Realität, die sich im fabelhaften „Atlantis“ erfüllt und zugleich das Verschwinden des Studenten Anselmus aus dem alltäglichen Leben bedeutet, liefert eine Grundstruktur für Schmidts längeres Gedankenspiel um den Protagonisten des Dialogfragments. Nach Abschluss der Niederschrift von Abend mit Goldrand wiederholt sich Anfang des Jahres 1976 damit ein Vorgang im Werkprozess, der aus der Phase nach der Beendigung von Zettel’s Traum bekannt ist. Schmidt blickt mit Beginn der Arbeit an einem neuen literarischen Projekt zurück aufs Werk und wendet sich unerledigten Fällen zu, die auf die Anfänge des Werks zurückverweisen und eine vielzitierte Grundlage des aktuellen Textes bilden.

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Ausgegrabene Literaturen – das Zitat als progressiver Regress

  • Jochen Hengst

摘要

Beim Vergleich der späten Dialogromane von Schmidt fällt auf, dass sich Abend mit Goldrand und Julia, oder die Gemälde bezüglich ihrer strukturellen Anlage wie Zitierkunst noch einmal deutlich von den vorherigen Texten abgrenzen. In der „MärchenPosse“ Abend mit Goldrand setzt eine den Text überflutende Zitierung überwiegend deutschsprachiger Trivialliteraturen ein, um sich in Julia, oder die Gemälde auf besondere Weise fortzusetzen. Dort hat sich der Anteil von bisher nicht im Werk in Erscheinung getretenen oder neu erworbenen Prosatexten des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wesentlich erhöht. Auf der autobiographischen Ebene weisen Julia, oder die Gemälde wie Abend mit Goldrand auf Schmidts Kindheit und Jugend zurück, in der „MärchenPosse“ offen, im Dialogfragment eher hintergründig, indem über Zitate frühe Lektüren in den Text eingespielt werden. Insofern kann Julia, oder die Gemälde zumindest partiell als Fortsetzung von Abend mit Goldrand und Verlagerung des Themas Jugendzeit von der äußeren auf die innere Erlebnisebene des Textes gelesen werden. Das Dialogfragment weist darüber hinaus eine strukturelle Ähnlichkeit zu E. T. A. Hoffmanns Der goldene Topf auf. Die ‚Himmelfahrt‘ zwischen den Polen Phantasie und Realität, die sich im fabelhaften „Atlantis“ erfüllt und zugleich das Verschwinden des Studenten Anselmus aus dem alltäglichen Leben bedeutet, liefert eine Grundstruktur für Schmidts längeres Gedankenspiel um den Protagonisten des Dialogfragments. Nach Abschluss der Niederschrift von Abend mit Goldrand wiederholt sich Anfang des Jahres 1976 damit ein Vorgang im Werkprozess, der aus der Phase nach der Beendigung von Zettel’s Traum bekannt ist. Schmidt blickt mit Beginn der Arbeit an einem neuen literarischen Projekt zurück aufs Werk und wendet sich unerledigten Fällen zu, die auf die Anfänge des Werks zurückverweisen und eine vielzitierte Grundlage des aktuellen Textes bilden.