Einleitung: Julia, oder die Gemälde als Zitatkunstwerk lesen
摘要
In der Einleitung wird herausgestellt, dass Arno Schmidts Werk keineswegs mehr zu den Randerscheinungen der literarischen Welt zu rechnen ist, sondern sich im deutschsprachigen Raum durchgesetzt und auch international einen Namen gemacht hat. Die besondere Stellung des Werkes innerhalb der bundesrepublikanischen Literatur lässt sich u. a. auf eine Eigenart zurückführen, die kaum vergleichbar mit gleichrangigen Werken ist und betrifft die Verwendung des literarischen Zitats. Die Zitate sind in besonderem Maße für die Schwierigkeit seiner literarischen Texte verantwortlich, wobei diese Schwierigkeit insbesondere die ursprünglich als Typoskripte erschienenen späten Dialogromane Zettel’s Traum, Die Schule der Atheisten, Abend mit Goldrand sowie das mit Schmidts Tod im Jahre 1979 abgebrochene Fragment Julia, oder die Gemälde betrifft. Die vorliegende Untersuchung wendet sich dem letzten unvollendet gebliebenem Dialogfragment mit der Fragestellung zu, ob es sich bei den späten Texten um monströse Plagiatmaschinen oder singuläre Beispiele artifizieller Zitatkunst handelt. Untersucht wird Schmidts quantitativer und qualitativer Einsatz von Zitaten, wobei sich die Vorgehensweise auf die in Julia, oder die Gemälde neu zitierten Literaturen konzentriert. Innerhalb dieses Fundus’ soll versucht werden, den differenzierten Einsatz von Zitaten nachzuzeichnen und eine mögliche Dramaturgie ihrer Zeichensprache zu bestimmen. Dabei will die Untersuchung keine kohärente Ästhetik definieren, sondern versucht in unzusammenhängenden Einzelstudien den Dialogroman als ein Kunstwerk sui generis zu lesen.