Der Vergleich zwischen Heidegger und Kierkegaard lässt erkennen, dass sie sich in ihren wesentlichen Intentionen nahestehen. Kierkegaard hat in den 1840er Jahren eine Reihe von Ansätzen entwickelt, die für den frühen Heidegger und sein Hauptwerk Sein und Zeit (1927) grundlegend waren: die Kategorie des Einzelnen, die Auseinandersetzung mit der ästhetischen, ethischen und religiösen Existenzform, die Analyse negativer Stimmungen und Affekte wie Angst, Schwermut und Verzweiflung, die Realisierung von Freiheitsakten der Wahl, Entscheidung und Handlung sowie die Analyse der Zeitlichkeit. Heidegger hat stets auf der Differenz zwischen Kierkegaards ‚existenziellem‘ Denken und seiner eigenen ‚existenzialen‘ Ontologie insistiert. So wurden die grundlegenden Gemeinsamkeiten beider Denker und ihre Relevanz für eine philosophische Lebenskunst nicht genügend sichtbar. Da Kierkegaards philosophisch-dichterisches und Heideggers begrifflich-analysierendes Denken sich sehr gut ergänzen und wechselseitig bereichern können, sollten sie nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in ihrer Zusammengehörigkeit gesehen werden.

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Martin Heideggers „Phänomenologie der Freiheit“. Ein Vergleich mit seinem Vordenker Sören Kierkegaard

  • Günter Gödde

摘要

Der Vergleich zwischen Heidegger und Kierkegaard lässt erkennen, dass sie sich in ihren wesentlichen Intentionen nahestehen. Kierkegaard hat in den 1840er Jahren eine Reihe von Ansätzen entwickelt, die für den frühen Heidegger und sein Hauptwerk Sein und Zeit (1927) grundlegend waren: die Kategorie des Einzelnen, die Auseinandersetzung mit der ästhetischen, ethischen und religiösen Existenzform, die Analyse negativer Stimmungen und Affekte wie Angst, Schwermut und Verzweiflung, die Realisierung von Freiheitsakten der Wahl, Entscheidung und Handlung sowie die Analyse der Zeitlichkeit. Heidegger hat stets auf der Differenz zwischen Kierkegaards ‚existenziellem‘ Denken und seiner eigenen ‚existenzialen‘ Ontologie insistiert. So wurden die grundlegenden Gemeinsamkeiten beider Denker und ihre Relevanz für eine philosophische Lebenskunst nicht genügend sichtbar. Da Kierkegaards philosophisch-dichterisches und Heideggers begrifflich-analysierendes Denken sich sehr gut ergänzen und wechselseitig bereichern können, sollten sie nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in ihrer Zusammengehörigkeit gesehen werden.