Hat Heidegger etwas zur Lebenskunst zu sagen? Die Frage, wie man mit Heidegger über die Kunst (gut) zu leben nachdenken kann, wird in diesem Aufsatz in drei Schritten diskutiert: Erstens wird dargestellt, wie Heidegger die Seins- und Selbstbezogenheit des Menschen versteht, und dabei die These vertreten, dass die Daseinsanalyse in Sein und Zeit durchaus als Entwurf einer ‚Seinskunst‘ verstanden werden kann. Zweitens wird auf dieser Grundlage erläutert, wie die ‚Konversion‘ von der Uneigentlichkeit zur Eigentlichkeit gelingen kann. Da in Sein und Zeit der Eindruck entsteht, dass andere Personen dabei eher störend wirken, wird drittens der Status der Anderen für das eigentliche Selbstseinkönnen bzw. die Seinskunst diskutiert. Heidegger gelingt es einerseits, die Grundlagen jeder Lebenskunst darzulegen, indem er die Struktur der menschlichen Selbstbezüglichkeit als Bezug auf die eigene Existenz beschreibt; die bewusste Ausklammerung vernünftiger Reflexion und der Verzicht auf eine Konzeption des Guten berauben sein Modell aber andererseits der Plausibilität und machen es moralisch wie politisch problematisch.

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Die Kunst, selbst zu sein. Zu Heideggers Theorie der Selbstbezüglichkeit als einer Grundlegung der Lebenskunst

  • Tatjana Noemi Tömmel

摘要

Hat Heidegger etwas zur Lebenskunst zu sagen? Die Frage, wie man mit Heidegger über die Kunst (gut) zu leben nachdenken kann, wird in diesem Aufsatz in drei Schritten diskutiert: Erstens wird dargestellt, wie Heidegger die Seins- und Selbstbezogenheit des Menschen versteht, und dabei die These vertreten, dass die Daseinsanalyse in Sein und Zeit durchaus als Entwurf einer ‚Seinskunst‘ verstanden werden kann. Zweitens wird auf dieser Grundlage erläutert, wie die ‚Konversion‘ von der Uneigentlichkeit zur Eigentlichkeit gelingen kann. Da in Sein und Zeit der Eindruck entsteht, dass andere Personen dabei eher störend wirken, wird drittens der Status der Anderen für das eigentliche Selbstseinkönnen bzw. die Seinskunst diskutiert. Heidegger gelingt es einerseits, die Grundlagen jeder Lebenskunst darzulegen, indem er die Struktur der menschlichen Selbstbezüglichkeit als Bezug auf die eigene Existenz beschreibt; die bewusste Ausklammerung vernünftiger Reflexion und der Verzicht auf eine Konzeption des Guten berauben sein Modell aber andererseits der Plausibilität und machen es moralisch wie politisch problematisch.