Hermann Hesse, dessen Werke mittlerweile in mehr als 80 Sprachen übersetzt und weltweit in mindestens 150 Mio. Exemplaren verbreitet sind, wird nun schon seit über 100 Jahren von jeder jungen Generation neu entdeckt, weil er in seinen stark autobiografischen Romanen, Erzählungen und Gedichten fast alle lebenswichtigen Themen auf eine so prototypische und jedermann verständliche Weise darzustellen vermag, dass die Leser sich darin wiedererkennen und auf ihrem individuellen Weg bestärkt fühlen. Zeitlebens hat er sich jeder Fremdbestimmung und allen Verlockungen politischer Vereinnahmung widersetzt und nur seinem eigenen inneren Kompass vertraut, sei es auch um den Preis, dafür als Spielverderber ausgegrenzt zu werden. Auch der ihm 1946 verliehene Literaturnobelpreis änderte daran wenig, den er, wie alle Auszeichnungen, nicht selbst entgegennahm, weil ihm alles Offizielle und Repräsentative zuwider war und er sich dabei vorgekommen wäre „wie ein kostümierter Affe“. Er mochte der Verlegenheit, mit der sich die offizielle Welt inoffiziellen Leistungen gegenüber durch Preisverleihungen erwehrt, nicht auch noch Vorschub leisten. Doch wer sich allen, noch so gut gemeinten Vereinnahmungsversuchen seitens der Öffentlichkeit entzieht, muss sich nicht wundern, wenn auch der Kulturbetrieb sich distanziert. So war sein Tod 1962 der deutschen Presse kaum mehr als eine Fußnote wert, verglichen mit dem rätselhaften Ende der etwa gleichzeitig verstorbenen Schauspielerin Marilyn Monroe (1926–1962). Die damaligen Nachrufe auf Hesse gipfelten in der Prognose, dass mit diesem anachronistischen und weltfremden „Autor des individuellen Katzenjammers“ (Süddeutsche Zeitung, München) in Zukunft „kein Blumentopf“ (Die Zeit, Hamburg) mehr zu gewinnen sei.

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Hermann Hesse – Leben und Werk

  • Volker Michels

摘要

Hermann Hesse, dessen Werke mittlerweile in mehr als 80 Sprachen übersetzt und weltweit in mindestens 150 Mio. Exemplaren verbreitet sind, wird nun schon seit über 100 Jahren von jeder jungen Generation neu entdeckt, weil er in seinen stark autobiografischen Romanen, Erzählungen und Gedichten fast alle lebenswichtigen Themen auf eine so prototypische und jedermann verständliche Weise darzustellen vermag, dass die Leser sich darin wiedererkennen und auf ihrem individuellen Weg bestärkt fühlen. Zeitlebens hat er sich jeder Fremdbestimmung und allen Verlockungen politischer Vereinnahmung widersetzt und nur seinem eigenen inneren Kompass vertraut, sei es auch um den Preis, dafür als Spielverderber ausgegrenzt zu werden. Auch der ihm 1946 verliehene Literaturnobelpreis änderte daran wenig, den er, wie alle Auszeichnungen, nicht selbst entgegennahm, weil ihm alles Offizielle und Repräsentative zuwider war und er sich dabei vorgekommen wäre „wie ein kostümierter Affe“. Er mochte der Verlegenheit, mit der sich die offizielle Welt inoffiziellen Leistungen gegenüber durch Preisverleihungen erwehrt, nicht auch noch Vorschub leisten. Doch wer sich allen, noch so gut gemeinten Vereinnahmungsversuchen seitens der Öffentlichkeit entzieht, muss sich nicht wundern, wenn auch der Kulturbetrieb sich distanziert. So war sein Tod 1962 der deutschen Presse kaum mehr als eine Fußnote wert, verglichen mit dem rätselhaften Ende der etwa gleichzeitig verstorbenen Schauspielerin Marilyn Monroe (1926–1962). Die damaligen Nachrufe auf Hesse gipfelten in der Prognose, dass mit diesem anachronistischen und weltfremden „Autor des individuellen Katzenjammers“ (Süddeutsche Zeitung, München) in Zukunft „kein Blumentopf“ (Die Zeit, Hamburg) mehr zu gewinnen sei.