Der Versuch des ersten Überblicks, für den Hegel die Poetik des Aristoteles als Anregung diente, muss das komplexe Kontingenzgeflecht des philologisch Konkreten ordnen und die historische Klammer des Tragischen auf ihr dramatisches Korrelat, den Begriff einer Welt öffnen, in der nicht alles gleich ist, aber alles, was der Fall ist, tragisch. Es gibt keinen Autor, der die ästhetische Pointe der Anachronie, der überzeitlichen Unangepasstheit der Kunst, so verkörperte wie dieser. Es ist der Shakespeare Hamlets, in dem die von Homers Mythen begründete Welt der Tragödie als entscheidende Etappe der Phänomenologie auftritt und Ästhetik als Frucht dieser historischen Operation auf den Plan ruft. Das Panorama von Homers Welt, das die anachrone Perspektive des Tragischen für Shakespeare entwickelt, montiert im Zoom herausvergrößerte Ausschnitte, die in exemplarischen Kapiteln ausgeführt werden. Anachronie und Anamorphose bezeichnen eine Genealogie (1), die nicht in der (leeren) Teleologie des Begrifflichen aufgeht, und eine Darstellungsweise (2), die sich nicht in der Mimesis an (platt) Historisches erschöpft. Hegels Phänomenologie zeigt den Anteil Shakespeares als Entfaltung dessen, was aus einer fernen Vergangenheit, der Antike, in die Gegenwart der Modernen herüberreicht. In der Anachronie von Shakespeares Dramen kommt eine meta-historische Implikation zum Zuge, die im Tragischen ihren Fluchtpunkt hat.

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Homers Welt und die Anamorphose tragischer Ironie

  • Anselm Haverkamp

摘要

Der Versuch des ersten Überblicks, für den Hegel die Poetik des Aristoteles als Anregung diente, muss das komplexe Kontingenzgeflecht des philologisch Konkreten ordnen und die historische Klammer des Tragischen auf ihr dramatisches Korrelat, den Begriff einer Welt öffnen, in der nicht alles gleich ist, aber alles, was der Fall ist, tragisch. Es gibt keinen Autor, der die ästhetische Pointe der Anachronie, der überzeitlichen Unangepasstheit der Kunst, so verkörperte wie dieser. Es ist der Shakespeare Hamlets, in dem die von Homers Mythen begründete Welt der Tragödie als entscheidende Etappe der Phänomenologie auftritt und Ästhetik als Frucht dieser historischen Operation auf den Plan ruft. Das Panorama von Homers Welt, das die anachrone Perspektive des Tragischen für Shakespeare entwickelt, montiert im Zoom herausvergrößerte Ausschnitte, die in exemplarischen Kapiteln ausgeführt werden. Anachronie und Anamorphose bezeichnen eine Genealogie (1), die nicht in der (leeren) Teleologie des Begrifflichen aufgeht, und eine Darstellungsweise (2), die sich nicht in der Mimesis an (platt) Historisches erschöpft. Hegels Phänomenologie zeigt den Anteil Shakespeares als Entfaltung dessen, was aus einer fernen Vergangenheit, der Antike, in die Gegenwart der Modernen herüberreicht. In der Anachronie von Shakespeares Dramen kommt eine meta-historische Implikation zum Zuge, die im Tragischen ihren Fluchtpunkt hat.