„Es ist lehrreich zu beobachten […].“ Maria Leitners Reportagen aus dem deutschen Alltag der späten Weimarer Republik
摘要
Maria Leitner (1892–1942) hatte sich zunächst als Reisejournalistin profiliert, bevor sie Ende der 1920er Jahren mit sozialkritischen, im neusachlichen Stil verfassten Reportagen an die Öffentlichkeit trat. Ihre in populären Berliner Massenmedien wie Uhu, Tempo u. a. publizierten Artikelserien geben schonungslose Einblicke in die Alltagsprobleme und -konflikte vor allem von ‚neuen‘ berufstätigen Frauen. In ihren auf präzisen Beobachtungen und Interviews basierenden Texten verleiht die Autorin neben weiblichen Angestellten, Hausfrauen und Damen der Gesellschaft auch randständigen Gruppen eine Stimme. Leitners Reportagen fokussieren prekäre Arbeitsverhältnisse, die stetig drohende Entlassung infolge von Technisierung und Rationalisierung, ferner die in der späten Weimarer Republik grassierende Armut und Wohnungsnot in der Arbeiter- und Angestelltenschicht und sie spiegeln darüber hinaus die sich verschärfenden politischen Spannungen vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wider.