Über Essen. Alltagserzählungen von Marie Luise Kaschnitz, Mirjam Pressler und Karen Duve
摘要
Nahrungsaufnahme ist ein alltägliches Phänomen, das seit den Anfängen literarischen Schreibens vielfach gestaltet wurde. Der Beitrag zielt darauf, anhand deutschsprachiger Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts speziell die Verbindung zwischen Weiblichkeit und Übergewicht zu beleuchten. Beispiele sind Das dicke Kind (1951) von Marie Luise Kaschnitz, Bitterschokolade (1980) von Mirjam Pressler sowie Dies ist kein Liebeslied (2002) von Karen Duve. Der Vergleich zeigt, dass darin gesellschaftliche und transgenerationale Ordnungen, Werte, Normen, Tabus Thema sind, die mit dem Übergewicht von Frauen bzw. Mädchen verbunden werden. Dieses erweist sich erzählerisch als multifunktional, dient als Bild für das überwundene Stadium der Kindheit (Kaschnitz), ist gestaltet als Resultat von Ersatzbefriedigungen via Essen für fehlende soziale Kontakte und töchterlichen Gehorsams (Pressler) sowie als physischer Ausdruck wechselnder psychischer Notlagen, darunter Vereinsamung und Vernachlässigung (Duve).