Ehe-Alltag als Treues Dornenstück
摘要
Alltäglichkeit war lange Zeit nur gelegentlich ein Gegenstand erzählerischer Werke. Das sollte sich erst seit der Vorromantik grundlegend ändern. In Goethes Wahlverwandtschaften (1809) dient die schmucklose Erzählung des Alltags eines adligen Ehepaars als Widerlager der zunehmend dramatischen Entfaltung der tragischen Handlung. In den Blumen-, Frucht- und Dornenstükken oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhschnappel von Jean Paul (1796/97) ist dagegen die prosaische Alltäglichkeit eines frischgebackenen Ehepaars lediglich das Sujet der humoristischen Erzählstrategien und eines Netzes von Metaphern und Vergleichen. Folgt man Erich Auerbachs Diagnose, dass in der Tradition des Alten Testaments – im Gegensatz zu der Homers – die Bezirke des Alltäglichen und des Erhabenen untrennbar sind, so tritt bei Jean Paul der Humor als das „umgekehrte Erhabene“ an dessen Stelle – mit der Konsequenz: „alles muß romantisch d.h. humoristisch werden“.