1901–1910: Die Temperatur dieser Dekade trägt zum letzten Mal eine „7“ vor dem Komma
摘要
Zum letzten Mal steht in einer Dekade bei den Temperaturmitteln eine 7 vor dem Komma. Damit liegt sie wohl noch im Korridor der Kleinen Eiszeit, mit 7,9 °C ist es allerdings schon 0,5 °C wärmer als ein Jahrhundert zuvor, was sich auf die Vegetationsperiode und die Gletscher auswirkt. Der dekadische Temperaturanstieg ist umso bemerkenswerter, als er im Glassberg-Minimum auftritt. Die wissenschaftlichen Bestrebungen widmen sich mit immer neuen, spektakuläreren Rekordfahrten weiter der „Eroberung des Himmels“. Dabei entdeckt Aßmann in Berlin 1902 nahezu zeitgleich mit Teisserenc de Bort in Paris die Stratosphäre. Ein Meilenstein für das klimatische Verständnis. Nach wie vor ist auch die rasche Datenübermittlung Thema. Sie bildet die Grundlage für verlässliche Wetterprognosen. 1901 und 1902 werden Pläne für einen telegrafischen Wetternachrichtendienst ausgearbeitet. Dazu gibt es das übliche Kompetenzgerangel. Die Aufzeichnungen der preußischen Beobachtungsstationen gehen zwar nach wie vor an das Königlich Preußische Meteorologische Institut, für die tägliche Wetterberichterstattung und Prognose werden sie aber an das Berliner Wetterbüro weitergeleitet. Neben den spektakulären Ballonfahrten symbolisieren Luftschiffe wie kaum eine andere technische Innovation die Aufbruchstimmung dieser Epoche.