Die Einleitung skizziert einen methodologischen Ansatz, der für die Untersuchung einer ‚literarischen Entomologie‘ drei Perspektiven auf poetische Insekten reklamiert und verschränkt: In den Blick zu nehmen ist das Insekt erstens als ein poetologisches Tier, das traditionell als Vorbild dichterischer Tätigkeit sowie als Reflexionsfigur literarischer Formensprache fungiert; zweitens als ein politisches Tier, als welches die ‚staatenbildenden‘ Insekten (insbesondere Ameisen, Bienen, Termiten u. a.), womöglich aber auch ihre einzelgängerischen Verwandten (Fliege, Floh, Mücke u. a.) betrachtet werden können; drittens als ein epistemisches Tier, dessen wechselhafte Geschichte von der antiken Naturlehre bis zu den Experimentalsystemen der Gegenwart reicht. In der systematischen Verbindung von Poetik, Wissensgeschichte und politischer Zoologie lässt sich die historische Entwicklung entomologisch-literarischer Bezugnahmen in ihrer genuinen Komplexität ebenso ermessen wie die ästhetische und epistemische Unruhe, die von diesen seltsamen Kreaturen ausgeht.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Literarische Entomologie. Zur Einleitung

  • Davide Giuriato,
  • Anatol Heller

摘要

Die Einleitung skizziert einen methodologischen Ansatz, der für die Untersuchung einer ‚literarischen Entomologie‘ drei Perspektiven auf poetische Insekten reklamiert und verschränkt: In den Blick zu nehmen ist das Insekt erstens als ein poetologisches Tier, das traditionell als Vorbild dichterischer Tätigkeit sowie als Reflexionsfigur literarischer Formensprache fungiert; zweitens als ein politisches Tier, als welches die ‚staatenbildenden‘ Insekten (insbesondere Ameisen, Bienen, Termiten u. a.), womöglich aber auch ihre einzelgängerischen Verwandten (Fliege, Floh, Mücke u. a.) betrachtet werden können; drittens als ein epistemisches Tier, dessen wechselhafte Geschichte von der antiken Naturlehre bis zu den Experimentalsystemen der Gegenwart reicht. In der systematischen Verbindung von Poetik, Wissensgeschichte und politischer Zoologie lässt sich die historische Entwicklung entomologisch-literarischer Bezugnahmen in ihrer genuinen Komplexität ebenso ermessen wie die ästhetische und epistemische Unruhe, die von diesen seltsamen Kreaturen ausgeht.