Theoretische Grundlagen des Kölner Fragebogens zur Sprachlosigkeit
摘要
Der Kölner Fragebogen zur Sprachlosigkeit (KFS) bildet das erste, validierte Erhebungsinstrument zur Erfassung der Phänomene der intentionalen, non-intentionalen und emotionalen Sprachlosigkeit in Gesprächssituationen. Die Entwicklung der KFS-Komponenten erfolgte theoriegeleitet und explorativ unter Bezugnahme auf wissenschaftliche Theorien und Konzepte aus den Bereichen der Linguistik, Psychologie und Soziologie. Die Phänomene der Sprachlosigkeit beschreiben das Nicht-Sprechen oder Schweigen eines Individuums in Gesprächssituationen, in denen gewöhnlich ein sprachlicher Gesprächsaustausch besteht. Die einzelnen Phänomene der Sprachlosigkeit sind ein, für eine Person oder dessen Gesprächspartner, unmittelbar gegebener Ausdruck bzw. Eindruck des Fehlens von Worten an Stellen einer Gesprächssituation, an denen diese zu erwarten wären. Sie stellt eine willkürliche oder unwillkürliche Reaktion auf ein verbales oder nonverbales Ereignis dar, welches innerhalb des Gesprächsverlaufes selbst auftreten oder von außerhalb des Gesprächskontextes auf die Person einwirken kann. Der KFS ermöglicht eine graduelle Differenzierung des Nicht-Sprechens oder Schweigens unter Verwendung der drei Fragebogenkomponenten zur Sprachlosigkeit, welche eigenständige Konzepte des Nicht-Sprechens oder Schweigens abbilden. Die Komponenten der Sprachlosigkeit basieren auf Theorien und Konzepten der Linguistik und Sprechakttheorie sowie der psychologischen Kognitions- und Emotionsforschung als auch soziologischer Theorien zum normativen Verhalten. Ihnen liegen keine organischen, neurologischen, klinisch-psychologischen oder psychopathologischen Konzepte zugrunde, auch wenn Bezüge zu diesen hergestellt werden können. Die Sprachlosigkeit wird als eine Folge innerpsychischer und situativer Ursachenfaktoren betrachtet, welche: a. eine Person dazu bringt, sich nicht zu äußern, obwohl dies ohne weiteres möglich wäre (verbales oder intentionales Schweigen; Dietz et al., 2023; Ephratt, 2022b; Kurzon, 2007), b. eine Person daran hindert, sich zu äußern obwohl es dies möchte (non-volitionale oder non-intentionale Sprachlosigkeit, Berger, 2004, 2015; Dietz et al., 2023; Kurzon, 2007) oder c. eine Person darin einschränkt, sich im Zusammenhang mit emotional besetzten Themen zu äußern (emotionale Sprachlosigkeit, Dietz et al., 2023; Schiewer et al., 2022a). Die drei Komponenten der Sprachlosigkeit bilden die theoretisch-konzeptionelle Grundlage des KFS. Die Komponenten stehen auf linguistischer Ebene mit dem Prozess der Sprachproduktion (Abschn. 2.2) und den, in natürlichen Gesprächen stattfindenden Wortgebrauch, insbesondere aber den natürlichen Sprechzeiten und Sprechpausen (Abschn. 2.3) im Zusammenhang.