Zwischen 1928 und 1948 dreht der französische Regisseur Jean Epstein (1897–1953) insgesamt neun unabhängig produzierte Filme an der bretonischen Küste, die allesamt hybrid zwischen den Gattungen Spiel- und Dokumentarfilm changieren. Bereits in seinem frühen, noch innerhalb des kommerziellen Studiosystems entstehendem Œuvre hat Epstein dem in der französischen Filmavantgarde virulenten Konzept des „Photogénie“ – der „Beseelung“ der Welt durch die technischen Mittel der Kinematographie – vermehrt mithilfe von Aufnahmen fließende Gewässer Ausdruck verliehen. Von seinem fast vollständig auf einem Seine und Loire befahrenden Lastkahn spielenden Melodrama La Belle Nivernaise (1923) bis zu seinem vorletzten Film, dem mit Laien auf der Atlantikinsel Belle-Île-en-Mer realisierten Le Tempestaire (1947), führt Epsteins Weg vom Binnenlandfluss hinaus auf den offenen Ozean – wobei analog zu diesen Strömungsbewegungen auch seine spezifische Filmästhetik zunehmend eine Entgrenzung von tradierten Konventionen des Kinos vollzieht.

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Vom Fluss zum Meer

  • Christoph Seelinger

摘要

Zwischen 1928 und 1948 dreht der französische Regisseur Jean Epstein (1897–1953) insgesamt neun unabhängig produzierte Filme an der bretonischen Küste, die allesamt hybrid zwischen den Gattungen Spiel- und Dokumentarfilm changieren. Bereits in seinem frühen, noch innerhalb des kommerziellen Studiosystems entstehendem Œuvre hat Epstein dem in der französischen Filmavantgarde virulenten Konzept des „Photogénie“ – der „Beseelung“ der Welt durch die technischen Mittel der Kinematographie – vermehrt mithilfe von Aufnahmen fließende Gewässer Ausdruck verliehen. Von seinem fast vollständig auf einem Seine und Loire befahrenden Lastkahn spielenden Melodrama La Belle Nivernaise (1923) bis zu seinem vorletzten Film, dem mit Laien auf der Atlantikinsel Belle-Île-en-Mer realisierten Le Tempestaire (1947), führt Epsteins Weg vom Binnenlandfluss hinaus auf den offenen Ozean – wobei analog zu diesen Strömungsbewegungen auch seine spezifische Filmästhetik zunehmend eine Entgrenzung von tradierten Konventionen des Kinos vollzieht.