Das humane Trostbedürfnis des Menschen ist in der tragischen Trias der menschlichen Existenz von Leid, Schuld und Tod angelegt. Die individuelle Konfrontation und Auseinandersetzung mit Leid, Leiden und Sterben, mit der Endlichkeit des eigenen Lebens, mit dem eigenen Tod und mit Schuld zählt zu den Hauptgründen und -auslösern des humanen Trostbedürfnisses und der in der menschlichen Existenz ebenfalls angelegten Trostfähigkeit. Diese Trias stellt in der weitgehend säkularisierten Spätmoderne eine große Kränkung und zu überwindende Begrenzung des Menschen dar, die es entweder zu umgehen und zu vermeiden oder mit immer neuen technologischen Verheißungen letztendlich zu besiegen gilt. Gleichzeitig werden besonders im Umgang mit Leiden und Sterben, in der Pflege Schwerstkranker und in der Palliativversorgung seit Jahrzehnten trostreiche Praktiken definiert und weiterentwickelt. Der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema Tod, die Leugnung dieses Existenzials, in dem sich alle Tröstlichkeit und gleichzeitig Untröstlichkeit des Lebens kulminiert, verdeutlicht besonders die Entfremdungserfahrungen des modernen Menschen von sich selbst. Der Tod ist kein „Problem“, für das es eine Lösung gibt, sondern eine Tatsache, die auf absehbare Zeit ebenso wenig wie das Trostbedürfnis abzuschaffen sind. Vor diesem Hintergrund sind die medialen und kulturellen Bemühungen zur Banalisierung und Leugnung dieses Existenzials bemerkenswert. Sie spiegeln die anhaltende Auseinandersetzung des modernen Menschen mit diesem nicht letztlich erklärbaren menschlichen Existenzial, der Kontingenz des menschlichen Seins und der darin zugleich angelegten Trostbedürftigkeit des Menschen.

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Die tragische Trias Leid, Schuld und Tod

  • Beate von Devivere

摘要

Das humane Trostbedürfnis des Menschen ist in der tragischen Trias der menschlichen Existenz von Leid, Schuld und Tod angelegt. Die individuelle Konfrontation und Auseinandersetzung mit Leid, Leiden und Sterben, mit der Endlichkeit des eigenen Lebens, mit dem eigenen Tod und mit Schuld zählt zu den Hauptgründen und -auslösern des humanen Trostbedürfnisses und der in der menschlichen Existenz ebenfalls angelegten Trostfähigkeit. Diese Trias stellt in der weitgehend säkularisierten Spätmoderne eine große Kränkung und zu überwindende Begrenzung des Menschen dar, die es entweder zu umgehen und zu vermeiden oder mit immer neuen technologischen Verheißungen letztendlich zu besiegen gilt. Gleichzeitig werden besonders im Umgang mit Leiden und Sterben, in der Pflege Schwerstkranker und in der Palliativversorgung seit Jahrzehnten trostreiche Praktiken definiert und weiterentwickelt. Der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema Tod, die Leugnung dieses Existenzials, in dem sich alle Tröstlichkeit und gleichzeitig Untröstlichkeit des Lebens kulminiert, verdeutlicht besonders die Entfremdungserfahrungen des modernen Menschen von sich selbst. Der Tod ist kein „Problem“, für das es eine Lösung gibt, sondern eine Tatsache, die auf absehbare Zeit ebenso wenig wie das Trostbedürfnis abzuschaffen sind. Vor diesem Hintergrund sind die medialen und kulturellen Bemühungen zur Banalisierung und Leugnung dieses Existenzials bemerkenswert. Sie spiegeln die anhaltende Auseinandersetzung des modernen Menschen mit diesem nicht letztlich erklärbaren menschlichen Existenzial, der Kontingenz des menschlichen Seins und der darin zugleich angelegten Trostbedürftigkeit des Menschen.