Trost – Die Peinlichkeit eines wichtigen Bedürfnisses
摘要
Trost, das Trostbedürfnis und die Trostfähigkeit sind in den humanen Grundbedürfnissen verankert: Ein Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Bedürfnissen zu führen, sich selbst als stimmig und sinnerfüllt zu erleben, entspricht dem individuellen Streben nach Konsistenz. Unsere menschlichen Grundbedürfnisse nach Bindung, Orientierung und Kontrolle, Selbstwerterleben und angenehm-positiven Erlebnissen, nach einem guten Leben, setzen immer andere, menschliche Beziehungen und anderes „in der Welt“ voraus. Der Mensch braucht zeit seines Lebens grundsätzlich Beziehung, Verbundenheit, Verstehen, Begleitung und Ermutigung, Mitgefühl, Zugehörigkeit, Beziehung. Unter Wissenschaftlern und Fachkräften besteht Einigkeit darin, dass die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse aufgrund komplexer gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen infrage stehen und auch die individuellen Ressourcen zur Bewältigung individuell als schwierig erlebter Lebenssituationen abnehmen. Während diese Lebenssituationen das grundlegende Bedürfnis nach Trost aufrufen, stehen die Institutionen und Formen dieses Trostes – Familie, Freundschaften, dritte Ansprechpartner – aus unterschiedlichen Gründen (materielle und immaterielle, kulturelle, externe oder persönlich bedingte) nicht mehr unhinterfragt zur Verfügung. Das im Menschen angelegte Trostbedürfnis ist aktuell neu zu würdigen und dem öffentlichen Diskurs zugänglich zu machen. Dabei ist die Verbindung von Medizin, Therapie und Trost in den vergangenen Jahrzehnten aus verschiedenen historischen und kulturellen Gründen nur von wenigen engagierten Medizinern in ihren Veröffentlichungen explizit diskutiert worden (Viktor E. Frankl, Irving Yalom) und wird heute wieder ausdrücklich in den fachlichen Diskurs eingebracht (Luise Reddemann).