Trost und Würde
摘要
Die Themen Trost, das Trostbedürfnis des Menschen und die Fähigkeit des Menschen zum Trost sind trotz aller gegenläufiger Entwicklungen in den vergangenen Jahren im öffentlichen Bewusstsein angekommen und werden zunehmend von Wissenschaftlern, Experten, Fachkräften und Praktikern in allen gesellschaftlichen Bereichen anerkannt. Die Ursachen für die erst langsame Wiederentdeckung dieses wichtigen Bedürfnisses sind historisch, gesellschaftlich, kulturell und sozial vielfältig. In allen gesellschaftlichen Bereichen und Schichten sind Menschen heute mit den persönlichen Auswirkungen von multiplen Krisen, Krieg und Katastrophen konfrontiert, die in ihrer Komplexität, Unüberschaubarkeit und ihrem Ausmaß Gefühle der Ohnmacht, der Unkontrollierbarkeit und der Angst hervorrufen. Trost und Untröstlichkeit sind anthropologisch untrennbar miteinander verbunden: Im Augenblick der Trostbedürftigkeit erlebt sich die Person in ihrer Bedürftigkeit zugleich als untröstlich. Gerade in der Anerkennung dieser Untröstlichkeit liegt zugleich das Moment des Trostes. In der Spätmoderne ist Trost in Misskredit geraten, wird individuell oft erlebt als Trostscham. Die Grundlage des Trostes, die menschlichen Würde, wird vor diesem Hintergrund von Fachkräften und Wissenschaftlern in den Fokus eines aktuellen Trostdiskurses gerückt und als Grundlage für eine zeitgemäße Trostpraxis definiert.