Systematizität als Ziel der Psychologie
摘要
Wir halten in erster Linie ein klares Fach(selbst-)verständnis für nötig, das die Erkenntnismöglichkeiten und -grenzen der Wissenschaft Psychologie beinhaltet. Dazu gehören auch entsprechende erkenntnistheoretische und methodische Überlegungen, die man nicht nur als intellektuelle Spielerei einiger Weniger betrachten darf, sondern als fundamentale Voraussetzung psychologischer Wissenschaft und Anwendung. Außerdem gilt es „Aufzuräumen“, d. h. es wäre wünschenswert, verstärkt an der Integration theoretischer Konzepte zu arbeiten und dies auch als unterstützenswertes Ziel wissenschaftlicher Arbeit anzusehen. Unzureichende Erklärungen, pseudowissenschaftliche Vorstellungen und Wissenslücken können so identifiziert und offene Fragen gezielt beantwortet werden. Dies würde der Beliebigkeit psychologischer Annahmen, Beschreibungen und Erklärungen vorbeugen und den wissenschaftlichen Status des Faches absichern bzw. ausbauen. Da die psychologische Forschung immer auch Anwendungsaspekte berührt, ist diese Forderung nicht nur für den grundlagenwissenschaftlichen Prozess bedeutsam, sondern auch für die angewandte Forschung und die Anwendungspraxis. Wer meint, die praktische Psychologie müsse sich weniger für solche Diskussionen aus dem „Elfenbeinturm der Wissenschaft“ interessieren, weil es hier in erster Linie um die Anwendung psychologischen Wissens geht, muss sich die Frage gefallen lassen, anhand welchen Wissens sich denn Interventionen aller Art rechtfertigen und begründen lassen, von denen ganze Lebensläufe, Beziehungen, Arbeitsverhältnisse etc. betroffen sein können. Es ist klar, dass die einzige Möglichkeit für solche Rechtfertigungen und Begründungen eine wissenschaftlich solide Psychologie ist. Ein Rahmenkonzept, wie man diese anspruchsvollen Ziele erreichen könnte, ist die Systematizitätstheorie der Wissenschaften (Hoyningen-Huene, 2009, 2013).