Für die wissenschaftliche Untersuchung von möglichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern bedarf es objektiver Verfahren, um festzustellen, ob es systematische Unterschiede in Bezug auf ein bestimmtes Merkmal gibt oder nicht. Dabei spielen die Stichprobengröße und Effektgröße eine wichtige Rolle bei der Beschreibung der Variation. Prinzipien der schließenden Statistik wie Null-Hypothesentest und Irrtumswahrscheinlichkeit erlauben Aussagen darüber, ob Unterschiede allein durch Zufall zu erklären sind, oder nicht. Zur Erklärung von Unterschieden in einem Merkmal eignen sich die auf Niko Tinbergen zurückgehenden vier komplementären Erklärungsansätze der Biologie, die sich mit Aspekten der proximaten Kontrolle, der Individualentwicklung, der Stammesgeschichte sowie den unmittelbaren Konsequenzen für die individuelle Fitness beschäftigen. In dieses Konzept lassen sich auch sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze integrieren. Wichtig ist dabei auch immer, sich bewusst zu machen, dass ein Geschlechtsunterschied kein Merkmal an sich ist und daher auch nicht von der Evolution bewertet wird. Stattdessen entsteht ein solcher Unterschied nur dann, wenn die optimalen Merkmalsausprägungen der Geschlechter voneinander abweichen.

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Gibt es einen Unterschied, und wenn ja, warum?

  • Peter M. Kappeler

摘要

Für die wissenschaftliche Untersuchung von möglichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern bedarf es objektiver Verfahren, um festzustellen, ob es systematische Unterschiede in Bezug auf ein bestimmtes Merkmal gibt oder nicht. Dabei spielen die Stichprobengröße und Effektgröße eine wichtige Rolle bei der Beschreibung der Variation. Prinzipien der schließenden Statistik wie Null-Hypothesentest und Irrtumswahrscheinlichkeit erlauben Aussagen darüber, ob Unterschiede allein durch Zufall zu erklären sind, oder nicht. Zur Erklärung von Unterschieden in einem Merkmal eignen sich die auf Niko Tinbergen zurückgehenden vier komplementären Erklärungsansätze der Biologie, die sich mit Aspekten der proximaten Kontrolle, der Individualentwicklung, der Stammesgeschichte sowie den unmittelbaren Konsequenzen für die individuelle Fitness beschäftigen. In dieses Konzept lassen sich auch sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze integrieren. Wichtig ist dabei auch immer, sich bewusst zu machen, dass ein Geschlechtsunterschied kein Merkmal an sich ist und daher auch nicht von der Evolution bewertet wird. Stattdessen entsteht ein solcher Unterschied nur dann, wenn die optimalen Merkmalsausprägungen der Geschlechter voneinander abweichen.