Das Phänomen der ‚Behinderung‘ wird wissenschaftlich auf unterschiedliche Weise perspektiviert. Ein klassisches medizinisches Modell fasst körperliche, psychische und kognitive Differenzen von Menschen als pathologische Abweichungen von einer Norm auf und vertritt demgemäß ein individualisierendes und defizitorientieres Verständnis von ‚Behinderung‘, das auf Heilung, Rehabilitation oder zumindest Linderung ausgerichtet ist. An dieser Rahmung von ‚Behinderung‘ als individuelle und potenziell leidvolle Beeinträchtigung hat sich v. a. aus dem Aktivismus der Behindertenrechtsbewegung heraus Kritik entzündet und eine soziale Deutung von ‚Behinderung‘ entwickelt, die sich auf gesellschaftliche Strukturen als hauptsächliches Konstitutionsmoment von ‚Behinderung‘ fokussiert. Demgemäß ist nicht der einzelne verkörperte Mensch ‚behindert‘, behindernd sind stattdessen räumliche Barrieren, institutionelle Arrangements und normierte kulturelle Vorstellungsbestände.

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Studien zu ‚Behinderung‘

  • Regina Schidel

摘要

Das Phänomen der ‚Behinderung‘ wird wissenschaftlich auf unterschiedliche Weise perspektiviert. Ein klassisches medizinisches Modell fasst körperliche, psychische und kognitive Differenzen von Menschen als pathologische Abweichungen von einer Norm auf und vertritt demgemäß ein individualisierendes und defizitorientieres Verständnis von ‚Behinderung‘, das auf Heilung, Rehabilitation oder zumindest Linderung ausgerichtet ist. An dieser Rahmung von ‚Behinderung‘ als individuelle und potenziell leidvolle Beeinträchtigung hat sich v. a. aus dem Aktivismus der Behindertenrechtsbewegung heraus Kritik entzündet und eine soziale Deutung von ‚Behinderung‘ entwickelt, die sich auf gesellschaftliche Strukturen als hauptsächliches Konstitutionsmoment von ‚Behinderung‘ fokussiert. Demgemäß ist nicht der einzelne verkörperte Mensch ‚behindert‘, behindernd sind stattdessen räumliche Barrieren, institutionelle Arrangements und normierte kulturelle Vorstellungsbestände.