Digitale Experimentierräume für semifiktionale Erzählprojekte
摘要
In Kap. 2 untersuche ich, inwiefern die veränderten medialen Bedingungen in den digitalen Erzählformaten zu einem zunehmenden Verlust herkömmlicher Differenzierungskriterien zwischen fiktionalen und faktualen Textmodi führen. Vor allem die fehlende Rahmung der Erzählung und die ambivalenten Formen der Kommunikation sind hier relevant. Anhand einiger Beispiele zeige ich auf, dass die Hypertexte noch relativ stark in sich abgeschlossene Textgebilde innerhalb des Internets darstellen und sich häufig an den Rahmungskonventionen und paratextuellen Markierungen herkömmlicher fiktionaler Printpublikationen orientieren. Danach untersuche ich literarische Weblogs und frage danach, inwiefern sich in den literarischen Online-Tagebüchern, die an der Grenze zwischen autobiografischem und autofiktionalem Schreiben zu verorten sind, neue Kommunikationsformen etablieren und dabei zugleich Tendenzen für eine Mimikry des Faktualen erkennbar sind, die in filmischen Formaten, insbesondere den Mockumentaries, bereits eine lange Tradition haben. In einem rückblickenden Exkurs gehe ich auf einige Mockumentaries ein, um herauszuarbeiten, welche Hybridisierungsverfahren und simulierte Faktualitätsmarker in den Filmformaten verwendet werden. Die Blog-Fiktionen setzen diese Tendenz fort, indem sie die Authentizität faktualer Blog-Tagebücher simulieren. Die Ausdehnung unmarkierter fiktionaler Rede verstärkt sich in der Twitteratur. Ausgehend von einigen Twitter-Erzählungen untersuche ich, inwiefern die Verwobenheit von Fakt und Fiktion für viele User zum festen Bestandteil ihrer digitalen Alltagskommunikation geworden ist.