Die Geschichtsschreibung beginnt in der Krise. Als Wilhelm Erben 1913 die erste fächerübergreifende institutionengeschichtliche Untersuchung über die Geschichte der Seminare veröffentlichte, war die ursprüngliche Institution selbst bereits im Kern bedroht, in ihrer ursprünglichen Konzeption kaum mehr anzutreffen: zum einen war das die Konsequenz der Überfüllung der Seminare, zum anderen eine Folge der Ausgliederung der Forschung aus der Universität. Gleichwohl schenkte die deutsche Forschung den Seminaren im 20. Jahrhundert keine große Beachtung. Bernhard vom Brocke hob 1996 hervor, dass es über „die Bedeutung der Einrichtung von Seminaren/Instituten für den wissenschaftlichen Fortschritt“ und die Etablierung neuer Disziplinen „keinen Zweifel“ geben könne, aber dennoch fehlten „für die meisten Fächer vergleichende und längsschnittartige Untersuchungen über die Entwicklung der einzelnen Seminare/Institute, die Praxis der Seminartätigkeit, den Ausbau und Funktionswandel der Seminar-/Institutsbibliotheken, die Differenzierung der Studienformen, der Fachinhalte und der Personalstruktur“. Angesichts der „Schlüssel-Rolle“ der Seminare für die Wissenschaftsentwicklung hielt es auch Gerd Schubring im Jahre 2000 für erstaunlich, „daß es noch keine umfassende moderne Untersuchung über Tätigkeit, Praxis und Entwicklung der geisteswissenschaftlichen Seminare an den deutschen Universitäten gibt“.

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Über Seminare

  • Hans-Harald Müller,
  • Myriam Isabell Richter

摘要

Die Geschichtsschreibung beginnt in der Krise. Als Wilhelm Erben 1913 die erste fächerübergreifende institutionengeschichtliche Untersuchung über die Geschichte der Seminare veröffentlichte, war die ursprüngliche Institution selbst bereits im Kern bedroht, in ihrer ursprünglichen Konzeption kaum mehr anzutreffen: zum einen war das die Konsequenz der Überfüllung der Seminare, zum anderen eine Folge der Ausgliederung der Forschung aus der Universität. Gleichwohl schenkte die deutsche Forschung den Seminaren im 20. Jahrhundert keine große Beachtung. Bernhard vom Brocke hob 1996 hervor, dass es über „die Bedeutung der Einrichtung von Seminaren/Instituten für den wissenschaftlichen Fortschritt“ und die Etablierung neuer Disziplinen „keinen Zweifel“ geben könne, aber dennoch fehlten „für die meisten Fächer vergleichende und längsschnittartige Untersuchungen über die Entwicklung der einzelnen Seminare/Institute, die Praxis der Seminartätigkeit, den Ausbau und Funktionswandel der Seminar-/Institutsbibliotheken, die Differenzierung der Studienformen, der Fachinhalte und der Personalstruktur“. Angesichts der „Schlüssel-Rolle“ der Seminare für die Wissenschaftsentwicklung hielt es auch Gerd Schubring im Jahre 2000 für erstaunlich, „daß es noch keine umfassende moderne Untersuchung über Tätigkeit, Praxis und Entwicklung der geisteswissenschaftlichen Seminare an den deutschen Universitäten gibt“.