Zwischen Forschung und Geselligkeit. Die Berliner Gesellschaft für deutsche Literatur und ihre Stellung innerhalb des wissenschaftlich-philologischen Vereinswesens zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. Ein Forschungsbericht
摘要
Wir geben im Folgenden eine knappe Zusammenfassung der Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojekts (DFG), die wir 2011 in Buchform publiziert haben. Das Projekt (2006–2008) selbst ist einem Zufallsfund zu verdanken: Im Zusammenhang mit Quellenerhebungen zur Geschichte der Berliner Germanistik seit den 1860er-Jahren stießen wir im Jahr 2000 im Zentrum für Berlinstudien (heute: Berlin-Sammlungen) der Zentral- und Landesbibliothek Berlin auf eine ungedruckte Festschrift, die Bruno Th. Satori-Neumann, der letzte Schriftführer der Gesellschaft für deutsche Literatur, 1938 anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens des Vereins zusammengestellt hatte. Sie enthält neben einer – allerdings nur rudimentären – Vereinschronik der Jahre 1888 bis 1938 eine annähernd vollständige Liste der in diesem Zeitraum gehaltenen Vorträge sowie Angaben zu den über sie erfolgten Presseberichten, außerdem Auszüge aus Vereinssatzungen sowie Verzeichnisse der Vorstandsmitglieder und Vereinslokale. Neugierig geworden, begannen wir, systematisch nach weiteren Quellen zu forschen und wurden schließlich fündig in der Theaterhistorischen Sammlung der Freien Universität Berlin, die 1954 mit den Theatersammlungen ihres Stifters, des Fabrikanten Walter Unruh auch einen kleinen Bestand „Akten der Gesellschaft für deutsche Literatur“ übernommen hatte. Unruh war der letzte Schatzmeister des Vereins. Seine Unterlagen, darunter Kassenbücher, Mitgliederlisten, Einzahlungsbelege und zugehörige Korrespondenz, die von der Jahrhundertwende bis etwa 1935 reichen, sind der einzige Überrest des eigentlichen Vereinsarchivs, das im ‚Dritten Reich‘ bei mehreren Hausdurchsuchungen beschlagnahmt wurde. Beide Funde zusammengenommen versetzten uns in die Lage, sowohl die äußere als auch die innere Geschichte des Vereins – seine Aktivitäten und die Subjekte ihrer soziale Trägerschaft – in den Blick zu nehmen.