Einführung
摘要
Die Bilder von der Brandung in Ostende der belgischen Fotografin Yentl Gijbels demonstrieren eine Veränderung der ästhetischen Wahrnehmung, wenn man den Müll in der Umgebung berücksichtigt. Auf den ersten Blick zeigt ein Bild von Gijbels (Abb. 1.1) eine idyllische Küstenlandschaft, wenn auch einigermaßen verschwommen. Dass das Bild als verwackelt erscheint, tut seiner Ästhetik jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Unschärfe scheint der Fotografie eine Dynamik zu verleihen, wie das Meer, und die Betrachterin fühlt sich Teil der dynamischen Landschaft. Die Fotografin verfolgte diesen Effekt, indem sie das, was sie in der Umgebung vorfand, vor die Linse ihrer Kamera hielt. Ursprünglich waren es Blätter und Blüten, die sie zu diesem Zweck benutzte, aber am Strand der belgischen Küstenstadt fiel so viel Müll an, dass sie beschloss, ihn für ihre Fotografien zu verwenden. Für ihre Fotoserie „Everything I found on the Beach“ sammelte und fotografierte sie u. a. Glasscherben, Bonbonpapier und Alufolienreste und warf diese anschließend in eine Mülltonne. Indem sie den Abfall in das Landschaftsbild einbeziehen und ihn sogar in den Mittelpunkt rücken, veranschaulichen die Fotografien von Gijbels die Fähigkeit der Kunst, den menschlichen Blickwinkel zu verändern und das ästhetische Landschaftsideal zu hinterfragen. Sie zeigen, dass die verseuchte Landschaft unter einem Schleier aus Abfall genauso schön sein kann wie eine unberührte Küstenlandschaft, und stellen damit die Frage nach dem Verhältnis von Ästhetik und Umweltethik. Auch Literatur hat das Potenzial, die menschliche Wahrnehmung von Mitwelt und Menschsein zu verändern, wenn sie Abfall einbezieht.