Im Herbst 1975 kehrte Jandl in die Schule zurück. Endlich konnte er mit der Anmietung eines Studios in der Wohllebengasse sein Raumproblem lösen. Als ihm 1976 ein Preis der Stadt Wien überreicht wurde, warb er (vergebens) für seine Idee, jeden Preisträger in eine neu zu gründende „Wiener Akademie“ einzuladen. Im März 1976 fand er im Gedichtezyklus „tagenglas“ zu einem Muster, das er als „heruntergekommene Sprache“ bezeichnete und viele Leser als „Gastarbeiterdeutsch“. Dem Grazer Schauspielhauses lieferte er zwei bestellte Dramen: die humanisten, in denen er die Innovation aus „tagenglas“ verwendete, wurde bei der Uraufführung im „steirischen herbst“ 1976 fehlinszeniert. Für die Dreirollenpartitur Aus der Fremde erfand er zur hyperrealistischen Darstellung seiner Lebens- und Arbeitssituation ein betörendes Sprechschema: jeweils drei Zeilen im Konjunktiv. Erst die Einstudierung durch Ellen Hammer 1980 in der Berliner Schaubühne sicherte dem mehrfach übersetzten Stück die Nachfrage. Im Februar 1978 kamen Jandl und Mayröcker nach Bielefeld, als sich dort das Colloquium Neue Poesie gründete, wo sie Stammgäste wurden. Ein weggelegter Entwurf für ein Stück über „Meine jetzige Situation“ mit der Lustschmerzfigur Sebastian im Titel hat sein Finale in der Ordination eines Psychiaters. Jandls rang mit Depressionen, Alkohol- und Tablettensucht und musste 1978 aus dem Schuldienst ausscheiden.

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Kapitel 8: Neuer Anfang im Wohnbüro

  • Hans Haider

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Im Herbst 1975 kehrte Jandl in die Schule zurück. Endlich konnte er mit der Anmietung eines Studios in der Wohllebengasse sein Raumproblem lösen. Als ihm 1976 ein Preis der Stadt Wien überreicht wurde, warb er (vergebens) für seine Idee, jeden Preisträger in eine neu zu gründende „Wiener Akademie“ einzuladen. Im März 1976 fand er im Gedichtezyklus „tagenglas“ zu einem Muster, das er als „heruntergekommene Sprache“ bezeichnete und viele Leser als „Gastarbeiterdeutsch“. Dem Grazer Schauspielhauses lieferte er zwei bestellte Dramen: die humanisten, in denen er die Innovation aus „tagenglas“ verwendete, wurde bei der Uraufführung im „steirischen herbst“ 1976 fehlinszeniert. Für die Dreirollenpartitur Aus der Fremde erfand er zur hyperrealistischen Darstellung seiner Lebens- und Arbeitssituation ein betörendes Sprechschema: jeweils drei Zeilen im Konjunktiv. Erst die Einstudierung durch Ellen Hammer 1980 in der Berliner Schaubühne sicherte dem mehrfach übersetzten Stück die Nachfrage. Im Februar 1978 kamen Jandl und Mayröcker nach Bielefeld, als sich dort das Colloquium Neue Poesie gründete, wo sie Stammgäste wurden. Ein weggelegter Entwurf für ein Stück über „Meine jetzige Situation“ mit der Lustschmerzfigur Sebastian im Titel hat sein Finale in der Ordination eines Psychiaters. Jandls rang mit Depressionen, Alkohol- und Tablettensucht und musste 1978 aus dem Schuldienst ausscheiden.