Kapitel 1: Jung sein zwischen zwei Kriegen
摘要
Ernst Jandl wurde am 1. August 1925 in Wien als erster von drei Söhnen von Viktor Jandl und Luise Jandl, geb. Rappel, geboren. Die Mutter veröffentlichte fromme Gedichte und wollte ihre Kinder zu kleinen Heiligen erziehen. Der Großvater Anton Rappel, ein Berufsoffizier im Ruhestand, dominierte das Familienheim am Landstraßer Gürtel. Auf den Straßen Wiens bekämpften einander Sozialisten, Nationalsozialisten und die christlich-faschistoide Staatsmacht. Ernst wurde trotz finanzieller Nöte ins Schottengymnasium geschickt, eine katholische Privatschule, von den Nazis 1938 geschlossen. Nach Mutters Tod 1940 geriet das Hauswesen durcheinander: Ernst schwängerte mit 16 das drei Jahre ältere Dienstmädchen. Im Deutschunterricht glänzte er. Mit 17 musste er zum Reichs-Arbeitsdienst und zur Deutschen Wehrmacht einrücken. Beim ersten Fronteinsatz im Saarland im Februar 1945 lief er zu den Amerikanern über. Als Dolmetscher in einem Feldspital in Stockbridge (England) kam er zu neuester anglo-amerikanischer Literatur – darunter Gertrude Stein, Carl Sandburg, E. E. Cummings, Hemingway – und zu Jazz aus den Radios.