Prekäre Arbeit und widerständige Agency im Kontext lang anhaltender Vertreibung
摘要
Millionen von Schutzsuchenden dürfen in Aufnahmeländern nicht arbeiten oder finden keine Arbeit, die ihren Fähigkeiten und Qualifikationen entspricht. Rechtliche Barrieren drängen Geflüchtete zudem in prekäre Arbeitsverhältnisse, tragen zu ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung bei und verhindern dauerhaft ihre Integration. Auf Grundlage empirischer Forschung des Projektes ″Transnational Figurations of Displacement″ (TRAFIG) thematisiert das Kapitel die Lebenssicherungsstrategien und Arbeitsverhältnisse von Geflüchteten in langanhaltenden Vertreibungssituationen in Äthiopien und Tansania, Jordanien und Pakistan sowie Griechenland und Italien. Aus Perspektive der Labour Geography werden dabei die eingeschränkten Handlungskapazitäten (Constrained Agency) der Geflüchteten ebenso hervorgehoben wie die Unterschiede der Lebenssicherung in Flüchtlingslagern und Städten. Ein zentrales Argument des Kapitels ist, dass restriktive Mobilitätsregime und ″territorialisierte Arbeitsmärkte″ sich negativ auf die Lebensperspektiven von Geflüchteten auswirken und somit zu einer Verstetigung und Verfestigung von langanhaltenden Vertreibungskonstellationen beitragen. Vielfach gelingt es Geflüchteten nur durch informelle Praktiken und die Unterwanderung von formellen Regeln des Aufnahme- und Asylregimes, das heißt durch widerständige Agency, ihr Leben zu sichern.