Vor dem Hintergrund sich zuspitzender sozial-ökologischer Krisen rücken Bestrebungen der Inwertsetzung von Natur zunehmend in den Vordergrund. Dabei sind Konzepte wie „Naturkapital“ oder „Ökosystem(dienst)leistungen“ (ÖSD) zu zentralen Pfeilern der globalen Umwelt- und Naturschutzpolitik avanciert. Das Credo der „planetarischen Dienstleistungsökonomie“ lautet: die Natur produziert nicht umsonst, Wertschätzung wird durch Inwertsetzung generiert. Ziel des vorliegenden Beitrags ist eine kritische Systematisierung dieser Debatte um die ökonomische Inwertsetzung von Natur und der Vorschlag eines postanthropozentrischen Arbeitsbegriffs, um die Verzahnungen von Arbeit und Natur im Spätkapitalismus darzustellen. Zunächst kartiert der Beitrag die Debatte um die Inwertsetzung, Kommodifizierung und Finanzialisierung von Natur am Beispiel der Konzepte des Naturkapitals beziehungsweise der Ökosystemdienstleistungen. Im Rückgriff auf zentrale Kritikpfeiler der „planetarischen Dienstleistungsökonomie“ weist der Beitrag dann auf die verkannte Zentralität von Arbeit hin. Ausgehend von aktuellen Debatten der „mehr-als-menschlichen Geographien“ und feministischen Ansätzen werden die Vorzüge eines post-anthropozentrischen Arbeitsbegriffs konturiert, der zur Re/Politisierung der Debatte um Inwertsetzung beitragen kann – in der Labour Geography und darüber hinaus. Ein solches Verständnis von Arbeit berücksichtigt unterschiedliche Formen postfordistischer Re/Produktionsverhältnisse, weist auf die historisch-geographische Situierung hin und skizziert ein post-anthropozentrisches Subjekt im Zeitalter der Finanzialisierung nicht-menschlichen Lebens der Gegenwart.

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Zur Kritik der planetarischen Dienstleistungsökonomie: Natur, Reproduktion und Arbeit in mehr-als-menschlichen Geographien

  • Vicky Kluzik

摘要

Vor dem Hintergrund sich zuspitzender sozial-ökologischer Krisen rücken Bestrebungen der Inwertsetzung von Natur zunehmend in den Vordergrund. Dabei sind Konzepte wie „Naturkapital“ oder „Ökosystem(dienst)leistungen“ (ÖSD) zu zentralen Pfeilern der globalen Umwelt- und Naturschutzpolitik avanciert. Das Credo der „planetarischen Dienstleistungsökonomie“ lautet: die Natur produziert nicht umsonst, Wertschätzung wird durch Inwertsetzung generiert. Ziel des vorliegenden Beitrags ist eine kritische Systematisierung dieser Debatte um die ökonomische Inwertsetzung von Natur und der Vorschlag eines postanthropozentrischen Arbeitsbegriffs, um die Verzahnungen von Arbeit und Natur im Spätkapitalismus darzustellen. Zunächst kartiert der Beitrag die Debatte um die Inwertsetzung, Kommodifizierung und Finanzialisierung von Natur am Beispiel der Konzepte des Naturkapitals beziehungsweise der Ökosystemdienstleistungen. Im Rückgriff auf zentrale Kritikpfeiler der „planetarischen Dienstleistungsökonomie“ weist der Beitrag dann auf die verkannte Zentralität von Arbeit hin. Ausgehend von aktuellen Debatten der „mehr-als-menschlichen Geographien“ und feministischen Ansätzen werden die Vorzüge eines post-anthropozentrischen Arbeitsbegriffs konturiert, der zur Re/Politisierung der Debatte um Inwertsetzung beitragen kann – in der Labour Geography und darüber hinaus. Ein solches Verständnis von Arbeit berücksichtigt unterschiedliche Formen postfordistischer Re/Produktionsverhältnisse, weist auf die historisch-geographische Situierung hin und skizziert ein post-anthropozentrisches Subjekt im Zeitalter der Finanzialisierung nicht-menschlichen Lebens der Gegenwart.