Blütezeit und Blattern
摘要
Doch was war eigentlich aus Schönleins Reiseplänen und seiner Sehnsucht nach den Tropen geworden? Durch die schnelle Universitätskarriere in Würzburg konnte er sich zwar selbst den Traum von einer ärztlichen und forscherischen Tätigkeit in einem der überseeischen Kolonialreiche nicht erfüllen, umso mehr gab er aber seine Begeisterung und Motivation an seine Studenten weiter. Die ungewöhnliche Laufbahn eines seiner ersten Schüler, des Japanforschers in niederländischen Diensten Franz Philipp von Siebold, wurde bereits ausführlich geschildert. Aber Siebold war bei Weitem nicht der Einzige, der diesen Weg nahm. In den Jahren zwischen 1821 und 1823 traten insgesamt fünfzehn Absolventen der Medizinischen Fakultät Würzburg in den holländischen Kolonialdienst ein. Die meisten davon landeten in „Ostindien“, dem heutigen Indonesien, welches damals erst seit wenigen Jahren offiziell als niederländische Kolonie galt. In diesen ersten Jahren stammte bis zu einem Viertel der dort eingesetzten Militärärzte aus Deutschland. Viele von ihnen betätigten sich neben ihren medizinischen Aufgaben auch als Naturforscher auf verschiedensten Gebieten, was vor allem das Sammeln von „Naturalien“ für Universitäten, Museen und wissenschaftliche Kabinette umfasste. Gerade in den damaligen deutschen Staaten, die keine Besitzungen in Übersee besaßen, waren Funde aus den drei großen Reichen der Natur, also Pflanzen, Tiere und Mineralien, sehr gefragt. Auf diese Weise konnten die deutschen Mediziner ihren Militärsold teilweise nicht unerheblich aufbessern, allerdings mussten sie einen Weg finden, ihre Erwerbungen unbemerkt von der Kolonialmacht nach Hause zu schaffen. Zu den Studenten aus der Anfangszeit Schönleins in Würzburg, gehörte auch Georg Eisinger, der sich erst viele Jahre später wieder bei seinem Lehrer meldete: